Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ist das mein Baby?

CASTROP-RAUXEL Zwei Mädchen nach der Geburt vertauscht - diese Meldung erregte in den vergangenen Tagen in der Nachbarstadt Recklinghausen die Gemüter. Wie beugen die hiesigen Krankenhäuser einer Baby-Verwechslung vor?

von Von Julia Grunschel

, 14.08.2007

 

"Im Kreißsaal bekommt das Kind im Beisein der Eltern ein festes Armbändchen - die Mädchen ein rosafarbenes, die Jungen ein blaues. Darauf steht der vollständige Name und das Geburtsdatum", verdeutlicht Dr. Robert Kralemann, Chef der Gynäkologie am evangelischen Krankenhaus (EvK). Dort werden pro Jahr 400 bis 450 Kinder geboren. Das Armbändchen bleibt bis zur Entlassung am Arm und wird erst durchtrennt, wenn die Familie nach Hause entlassen wird.

Nähe zur Mutter

Da das EvK auf das so genannte "Rooming in"-Prinzip setzt, bleiben die Neugeborenen fast permanent in der Nähe ihrer Mütter. "Dass Kinder wie früher über Nacht eingesammelt werden, gibt es nur noch in Ausnahmefällen", veranschaulicht Kralemann. Daher seien im Kinderzimmer immer nur ein oder zwei Babys. "Vom System her können Kinder nicht vertauscht werden. Aber da, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler", so Kralemann.

Mit drei Sicherungsmerkmalen arbeitet die gynäkologische Abteilung von Dr. Michael Glaßmeyer im St.-Rochus-Hospital. Auch hier bekommen die Kinder das obligatorische Armband. "Außerdem liegt in jedem Bett eine Geburtskarte mit Namen, Größe, Gewicht, Geburtsstunde und Art der Entbindung", zählt Glaßmeyer auf und verdeutlicht: "Das sind Daten, die die meisten Mütter bis ins Detail wissen." Hat eine Frau nun eine Kaiserschnitt-Geburt hinter sich und weiß durch die Narkose nicht mehr alles genau, kann sie die Daten zusätzlich überprüfen. "Im Kreißsaal wird deckungsgleich zu der Geburtskarte ein gelbes Heft angelegt, das beim Personal verbleibt", erzählt Michael Glaßmeyer.

Zusätzlich zu den Sicherungen achten natürlich die Schwestern auf die Kinder: "Bei 517 Geburten im letzten Jahr ist die Zahl immer überschaubar", meint Glaßmeyer. Das Personal könne die Neugeborenen schnell unterscheiden: "Kinder haben am ersten Tag schon einen Charakter. Das erste Baby weint, das zweite zittert, das dritte ist ruhig und das vierte nuckelt."  

Info: Im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen sind am 10./11. zwei Mädchen per Kaiserschnitt geboren und kurz nach der Geburt vertauscht worden. Bei der Entlassung bemerkte ein Elternteil, dass Armband und die Auszeichnung des Kinderbetts nicht zusammen passten. Ein DNA-Test brachte schließlich Klarheit. Der Fall wurde erst jetzt bekannt.

 

Lesen Sie jetzt