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Mehr als ein Kinderspiel

HABINGHORST Wenn Leni schreit, dann springt Papa André. Noch. Seit anderthalb Tagen ist der 15-Jährige stolzer Vater, kümmert sich intensiv um die PC-gesteuerte Babypuppe. Wie er sich dabei angestellt hat, lesen Sie hier.

von Von Julia Grunschel

, 13.12.2007
Mehr als ein Kinderspiel

Die PC-gesteuerte Babypuppe Leni hält André Ennen und Angelina Sonntag ganz schön auf Trab. Wie ein echter Säugling will sie gewickelt, gefüttert und umsorgt werden.

"Das machen sie alle, sich rührend um die Kinder kümmern", beobachtet Lehrerin Meike Zentgraf-Klein an der Fridtjof-Nansen-Realschule. Quasi über Nacht haben die 18 Neunt- und Zehntklässler ihrer Pädagogik-AG Kinder bekommen. Die zehn Puppen im Wert von 7 500 Euro haben der Kinder- und Jugendtherapeut Egon Heinze und Diplom-Sozialpädagogin Kathrin Schinski vom Essener Verein Welle mitgebracht. Sie betreuen das Projekt "Baby" zur Lebenswegplanung für Jugendliche, das über drei Tage und zwei Nächte läuft.

Wickeln? Milchflasche? Wiegen?

Schon in den ersten 24 Stunden hält Leni Papa André und Mama Angelina Sonntag mächtig auf Trab. Sobald die Puppe den kleinsten Laut von sich gibt, werden die Freunde hellhörig. Wickeln? Milchflasche? Wiegen? Leni kann alles wollen. "Wir müssen erst einmal herausfinden, was genau", sagt Angelina. Ihr steht die Nacht mit Leni noch bevor. In der Schule teilen sich die Freunde die Elternplicht. In der ersten Nacht oblag sie André. Schon im Bus auf dem Heimweg hat Leni mit ihrem Geschrei kuriose Reaktionen hervorgerufen. "Als es immer lauter wurde, hat der Busfahrer über's Mikrofon gesagt, ich solle die Musik aus machen", schüttelt André lachend den Kopf. Die anderen Fahrgäste hätten sich gut amüsiert.

Was Leni alles kann, hat sie dann gleich auch in der Nacht gezeigt. Nachdem Papa André sich um 22.30 Uhr ins Bett gelegt hatte, mussten um 23 Uhr die Windeln gewechselt werden. Um 1 Uhr ging's mit Bäuerchen weiter. Die Flasche wurde um 2.30 Uhr verlangt. Bäuerchen folgte. Um 3.30 Uhr war André endlich eingeschlafen, nur um um 4 Uhr noch einmal die Windeln zu wechseln. "Danach war an Schlaf nicht mehr zu denken", sagt der 15-Jährige. Kein Kinderspiel also, das Spiel mit den Puppen.

"Das Projekt soll rechtzeitig deutlich machen, wie viel Verantwortung Eltern für ein Kind tragen", unterstreicht Egon Heinze. Ziel sei es, dass die Schüler realistischer über ihre Lebensweg- und Familienplanung nachdenken. Für André steht fest: "Kinder wären in 15 Jahren ein Thema. Frühestens mit 30."

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