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Narkosearzt wieder vor Gericht

Junge Frau tot

CASTROP-RAUXEL Vor zweieinhalb Jahren starb Juliet Altas. Die 34-jährige Tochter des Ehepaares Altas, das seine Änderungschneiderei seit Jahrzehnten am Biesenkamp betreibt. Jetzt gibt es plötzlich eine Parallele.

von Von Ilse-Marie Schlehenkamp

, 21.04.2010
Narkosearzt wieder vor Gericht

Im Fokus steht einmal mehr der Anästhesist, der 2007 in Herne für den Tod der jungen Frau verantwortlich war, wie das Bochumer Landgericht bestätigte. Sie hatte bei einem Gynäkologen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen, starb aber in Folge von zuviel Narkosemitteln nach einem zehntätigen Todeskampf in den Armen des Vaters.

Der Narkosesearzt wurde zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten und einer Schmerzensgeldzahlung von 30.000 Euro an die Familie der jungen Frau verurteilt. Der zuständige Oberstaatsanwalt Wolfgang Dörsch meinte damals: „Der Mann ist außerordentlich beeindruckt und geknickt. Er fühlt sich nicht in der Lage, zu arbeiten.“

Von der Tragödie in Herne hat sich der 63-jährige Mediziner Chavdar M. aber offenbar schnell erholt. Zwei Monate später setzte er eine Vollnarkose bei einer 28-jährigen Frau in Düsseldorf, die sich die Zähne sanieren lassen wollte. Auch diese junge Frau starb. Wegen fahrlässiger Tötung sollte sich der Arzt gestern vor Gericht in Düsseldorf verantworten. Aber die Richterin ließ den Prozess platzen. Sie will sich die Akten aus Bochum kommen lassen, berichtet die Zeitung „Express“ in Düsseldorf.

Daniela B. aus Düsseldorf, die bei der Zahn-OP verstarb, habe alle Karten offen auf den Tisch gelegt und angegeben, dass sie drogenabhängig sei und deshalb Methadon nehme. Auch ihr Übergewicht – 140 Kilo bei 1,80 Meter Größe, eine Lebererkrankung und eine Allergie sollen bekannt gewesen sein. Bei der Operation im Januar 2009 versuchte der Anästesist laut „Express“, ihr zweimal mit einem Schlauch Sauerstoff zu verabreichen. Doch die Intubation sei fehlgeschlagen. Noch eine Parallele zum tragischen Schicksal Juliet Altas‘: Auch in Düsseldorf sollen die beteiligten Mediziner viel zu lange gewartet haben, bis sie einen Notruf absetzten.