Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Richter schonte die Kinder

CASTROP-RAUXEL "Wollen Sie wirklich, dass auch noch Ihre Kinder als Zeugen vorgeladen werden?" Amtsrichter Schwarz war gestern ziemlich verärgert. Drängte sich doch stark der Eindruck auf, dass die geschiedenen Ehepartner nur "ihr Mütchen kühlen", dem anderen schaden wollten. Wie das Gericht entschied, lesen Sie hier.

von Von Gabriele Regener

, 19.01.2008

Dem 51-jährigen Angeklagten wurde vorgeworfen, seine seit Januar 2006 von ihm geschiedene Frau im Juni letzten Jahres in ihrer Wohnung bedroht und angegriffen zu haben. Er soll der 47-Jährigen nach einem heftigen Wortgefecht den Kehlkopf zugedrückt haben."Gar nicht wahr, ich wollte nur..."

"Gar nicht wahr", konterte der Angeklagte. "Ich wollte nur, dass sich meine Ex-Frau an den Kosten für das Wochenende mit einem meiner beiden Söhne beteiligt, da ist sie gleich hysterisch geworden." Er habe die Frau lediglich an den Schultern gepackt und von sich gestoßen, weil sie ihm zuvor die Brille vom Kopf geschlagen habe.

Nur wenige Tage später soll er sie - wieder nach einer heftigen verbalen Auseinandersetzung - bedroht haben. Auch das hatte der Mann entschieden weniger dramatisch in Erinnerung, als es in der Anklage geschildert wurde.

Die entsprach eher den Aussagen der Zeugin, die auch die beiden gemeinsamen, 13 und 15 Jahre alten Söhne als Augenzeugen ins Gespräch brachte. Und als Ohrenzeugin die Nachbarin. Die hatte ihre Aussage schriftlich protokolliert.Richter platzte die Hutschnur

Das war der Punkt, an dem Amtsrichter Schwarz die Hutschnur platzte. Und ankündigte, die Hauptverhandlung vertagen zu wollen, um Kinder und Nachbarin als Zeugen zu hören. Keine schöne Vorstellung, dass Kinder für bzw. gegen einen Elternteil aussagen müssten. Glück für die Söhne, dass es ihnen erspart bleibt. Denn mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft machte der Richter kurzen Prozess und stellte das Verfahren ein. Der Angeklagte wurde mit einer Geldbuße über 400 Euro belegt.

Bei dieser Entscheidung schwang eine langjährige Erfahrung im Richteramt mit. Die Erfahrung, dass eine Verurteilung die Streitigkeiten häufig noch verstärkt. Das könnte hier besser laufen, denn die Frau hat durch eine einstweilige Verfügung erwirkt, dass der ehemalige Partner Distanz wahren muss.

Lesen Sie jetzt