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Richter wähnt sich in "Märchenstunde"

CASTROP-RAUXEL Dem Richter rang die Märchenstunde ein amüsiertes Lächeln ab. Den jungen Staatsanwalt veranlassten die unglaubwürdigen Schilderungen rund um Nötigung und Beleidigung im Straßenverkehr zu einer wortreichen Belehrung.

von Von Gabriele Regener

, 05.12.2007

Der Angeklagte, ein 31-jähriger Handwerksmeister, möge sich doch bitte an die Wahrheit halten, immerhin seien vier Zeugen geladen, die seine Version mit Sicherheit widerlegten. Schauplatz des „Straßenkampfes ums Überholen“ war die B 235 zwischen der Einmündung Pallasstraße und dem Abschnitt der Habinghorster Straße nach dem Evangelischen Krankenhaus, wo sich die Doppelspur zu einem Fahrstreifen verengt.

LichthupeDort sei, so der Angeklagte, ein Auto „so vor sich hin getuckert“, und das auf der linken Seite. Weil weder dichtes Auffahren noch Lichthupe den Fahrer, der anschließend wegen Nötigung und Beleidigung Anzeige erstattete, zum Wechsel nach rechts veranlassten, wählte der Angeklagte die äußerst rechte Variante: den Standstreifen. Doch dass sich seine Beifahrerin dort lediglich ihrer Zigarettenkippe entledigen wollte, glaubte keiner. Vielmehr nutzte der Golffahrer diese Spur zum Überholen. Und dass er dabei direkt unter einer Radaranlage hersauste, war wohl auch Berechnung. Denn auf dem Standstreifen wird nicht gemessen. Die „Scheibenwischer-Handbewegung“, mit der er an der nächsten roten Ampel den Fahrer des langsamen Wagens bedachte, wollte er dann auch anders verstanden wissen. Er habe fünf Finger gezeigt – als Zeichen dafür, dass man auf der Strecke 50 Kilometer pro Stunde fahren dürfe.

NötigungNach diesem Vorfall, der ihn selbst betraf, beobachtete der 45-jährige Pfleger, der mit Frau und Kind unterwegs war, dass der Drängler ein weiteres Auto in Schwierigkeiten brachte, als er partout noch überholen wollte, bevor sich die Habinghorster Straße verengt. Da aber der bedrängte Fahrer – ein Vielfahrer, der nach eigenen Angaben zahlreiche brisante Situationen erlebt – sich an diese Begebenheit kaum erinnerte, wurde diese zweite Nötigung, die ebenfalls mit einer Beleidigung einhergegangen sein soll, außer Acht gelassen. Blieb eine Nötigung „im unteren Bereich“, weil sich der Vorfall lediglich auf einem kurzen Stück ereignet hatte, und eine Beleidigung. Das ahndete der Richter mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 40 Euro.

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