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Richter wertet sonderbare Massage im Krankenhaus als sexuellen Übergriff

Urteil am Amtsgericht

Im Prozess um einen Patienten des Evangelischen Krankenhauses, der seinen Mitpatienten sexuell belästigt haben soll, gab es am Dienstag ein Urteil. Der Richter nahm dem Angeklagten seine Unschulds-Beteuerungen nicht ab.

Castrop-Rauxel

, 20.03.2018
Richter wertet sonderbare Massage im Krankenhaus als sexuellen Übergriff

Den Fall einer sonderbaren Massage im Evangelischen Krankenhaus hat das Amtsgericht verhandelt. Am Dienstag gab es ein Urteil. © Foto: Tobias Weckenbrock

Bis zuletzt stellte sich der 58-jährige Angeklagte als Opfer seiner Gutmütigkeit dar. Er habe dem 21-jährigen Bettnachbarn im Evangelischen Krankenhaus nur helfen wollen. „Nächstenliebe gehört zu unserer Kultur“, ließ er über seinen Dolmetscher sagen. Die Anklage wegen sexuellen Übergriffs wies er mit Vehemenz von sich.

Denn danach soll er dem jungen Mann, der wegen starker Rückenschmerzen im Krankenhaus lag, so lange eine Massage angedient haben, bis dieser genervt zustimmte. Zusätzliches Problem war die Verständigung, denn die beiden Patienten sprachen eine andere Muttersprache, sind des Deutschen kaum mächtig.

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Angefangen am Rücken, soll der Masseur schließlich auch den Penis einbezogen haben. Glücklicherweise seien in diesem Moment die Schritte der Nachtschwester zu hören gewesen, der Ältere habe von ihm abgelassen und sei auf den Flur gegangen, hatte der Geschädigte in der Hauptverhandlung geschildert. Für den Jüngeren die Chance, sich im Bad einzuschließen, seine Schwestern zu informieren, die für den Bruder ein anderes Zimmer forderten.

Beim Fortsetzungstermin führte der Angeklagte wiederholt an, aufgrund eines Schlaganfalls viele Dinge zu vergessen, so auch jenen Tag im vergangenen August. Er sprach von Gehirnverschluss und damit verbundenem Sprachverlust. Doch das Krankenhaus-Gutachten, das der Strafrichter verlas, nannte dafür einen anderen Grund: Alkoholgenuss. Weiter hieß es, dass es keine Anhaltspunkte für irrationale, ungesteuerte Verhaltensweisen gegeben habe.

Gemeinnützige Arbeit

Für den Staatsanwalt war damit die Sachlage klar. „Der Zeuge hat die Wahrheit gesagt“, sagte er. Hätte er die Annäherung gewollt, so wie es der Angeklagte dargestellt hatte, hätte er ja keinen Grund gehabt, Anzeige zu erstatten. Mit seiner Forderung nach einer Bewährungsstrafe von neun Monaten lag er drei Monate über der Mindeststrafe, die der Paragraf 177 des Strafgesetzbuchs vorgibt.

Der Richter folgte dem Vorschlag in seinem Urteil. Verhängte dazu 200 Stunden gemeinnützige Arbeit, „damit das Urteil auch zu spüren ist“. Ob der 58-Jährige das Urteil akzeptiert, blieb noch offen. Er ließ den Dolmetscher sagen, dass er das mit einem Anwalt besprechen wolle.

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