Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Stalker attackiert mit Fäkalien

CASTROP-RAUXEL Quer über der Windschutzscheibe liegt eine benutzte Windel, rund um zwei Autos des Pflegedienstes Korfage liegt Müll, von allen Seiten stinkt es nach Fäkalien. Heinz Korfage ist entsetzt, sauer und vor allem hilflos.

von Von Julia Grunschel

, 28.12.2007

Hilflos, weil sich seit mehreren Wochen die Sachbeschädigungen an fünf Wagen seines Pflegedienstes mit Sitz an der Holzstraße 19 häufen. „Erst dachte ich, das wären Leute von hier“, sagt der 58-Jährige und deutet auf die umliegenden Häuser rund um die Holzstraße und den benutzten Parkplatz am Händelweg. Doch von einem dummen Jungenstreich ist längst nicht mehr die Rede. Korfages Geschichte ist kompliziert und hängt unmittelbar mit dem Schicksal einer seiner Angestellten zusammen.

Mitarbeiterin von Ex-Mann verfolgt

Anfang Dezember berichteten die Ruhr Nachrichten anonym über die 45-Jährige, die seit dem Sommer von ihrem manisch-depressiven Ex-Mann verfolgt wird. Als Stalker macht er ihr und ihrem Umfeld das Leben schwer. Ihr Chef, so sagte die Frau, würde ebenfalls von ihrem Ex-Mann belästigt und belagert. Dieser Chef ist Heinz Korfage, die 45-jährige gelernte Krankenschwester arbeitete bis zum Sommer als Pflegekraft bei ihm, seit den Stalking-Vorfällen macht sie zu Hause Sekretariatsarbeiten. Im Oktober erstatteten die 45-Jährige und Heinz Korfage Anzeige gegen den Ex-Mann wegen Stalkings. Vor gut sechs Wochen drohte der Stalker Heinz Korfage schließlich: „Du bis das Böse. Und das Böse muss bis zum Ende des Jahres vernichtet werden.“ Die Tragweite dieser Worte wird dem 58-Jährigen in diesen Tagen immer bewusster: „Wenn das so weiter geht, dann schafft er das auch.“

Attacken immer stärker

Denn beim anfänglichen Spiegelverstellen ist es nicht geblieben. Über die Weihnachtstage hat sich das Ausmaß der Attacken verstärkt. Ein Spiegel wurde abgebrochen, zwei gelbe Firmenwagen wurden am Händelweg mit Kot und Müll beschmiert, Kennzeichenhalterungen abmontiert. Als gestern Morgen um halb sechs bei Korfage das Telefon schellte, ahnte er nichts Gutes. Bei einem dritten Wagen sei die Luft aus den Reifen gelassen worden.

Luft aus Reifen von drei Autos gelassen

Fünf Minuten später klingelte das Telefon noch einmal. „Bei den beiden anderen Wagen ist genau das Gleiche passiert“, erzählt Korfage. Bei der Polizei hat der 58-Jährige in der vergangenen Zeit mehrere Anzeigen wegen der einzelnen Sachbeschädigungen gestellt. Dass hinter allem der Stalker steckt, weiß er nun sicher. „Am 24. Dezember wurde er von Anwohnern beobachtet und gestellt. Ihnen hat er verwirrt, aber noch voller Stolz seinen Reisepass gezeigt“, so der Pflegedienstleiter.

Angst vor Übergriffen auf MItarbeiter

Mit seinem Latein ist er am Ende. Die verdreckten gelben Autos säubert Korfage erst einmal nicht. „Die interessieren den Mann dann vielleicht nicht mehr“, glaubt er. Aber von den Firmenwagen will er nun jegliche Werbung entfernen, damit die Autos nicht auffallen. „Meine größte Befürchtung ist, dass die Angriffe auf Mitarbeiter oder Angehörige unserer Patienten übergehen könnten. Denn das würde tatsächlich meinen Ruin bedeuten.“ Er hofft nun, dass die Polizei die einzelnen Vorfälle vor dem Stalking-Hintergrund betrachtet und tätig wird. „Ich selbst bin hilflos, ich kann nichts machen.“ Polizeisprecher Bernd auf der Springe erklärte dazu gestern: „In Fällen wie diesen führt die Polizei so genannte Gefährdungsansprachen mit dem vermeintlichen Täter und zeigt ihm die Konsequenzen seines Handelns auf. Das hilft vielfach schon.“ Heinz Korfage hilft das im Moment aber noch nicht weiter. „Ich muss abwarten. Was soll ich sonst machen?“

Lesen Sie jetzt