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Sucht wird zum Verhängnis

CASTROP-RAUXEL Richter, Staatsanwältin, die amtlich bestellte Betreuerin, sie alle waren pünktlich im Gerichtssaal. Nur der Angeklagte selbst ließ auf sich warten. Und das hatte einen hochprozentigen Grund.

von Von Gabriele Regener

, 12.12.2007
Sucht wird zum Verhängnis

<p>Im Kaufland entwendete der Angeklagte im Sommer dieses Jahres Whisky und Wodka aus der Auslage.</p>

Die Einlasskontrolle hatte etwas länger gedauert, weil ihm der Justizbeamte eine Flasche Wodka aus der Tasche zog.

Alkoholproblem

Auch ohne dieses "Rüstzeug" machte der 31-jährige einen bedauernswerten Eindruck vor Gericht. Sein Alkoholproblem hatte ihn wieder auf die Anklagebank gebracht. Whisky und Wodka hatte er im Sommer 2007 im Kaufland aus der Auslage entwendet. Und auch die beiden Vorstrafen basierten auf Delikten, die er unter starkem Alkoholeinfluss begangen hatte. Doch was das war, konnte er der Staatsanwältin nicht mehr sagen. Vergessen.

Sein Suchtproblem sei ihm, so erklärte der arbeitslose Mann auf Nachfrage, bereits vor 16 Jahren bewusst geworden. Persönliche Probleme seien stets der Auslöser gewesen. Einen Beruf hat er - der stark sehbehindert ist - nicht erlernt.Rund vier Monate in einer Entzugsklinik in Warstein verbracht

Vielleicht waren der Diebstahl der beiden Flaschen Hochprozentiges, die ihn gestern vor Gericht brachten, Auslöser für die Entscheidung, sich endlich in stationäre Behandlung zu begeben. Von Anfang August bis zum Nikolaustag hat er rund vier Monate in einer Entzugsklinik in Warstein verbracht, die Behandlung sogar auf eigenen Wunsch verlängert.

Dass der gewünschte Erfolg - die Absage an den Alkohol - ausblieb, konnten Richter Schwarz und die Staatsanwältin nur vermuten angesichts der "Fahne", die der Angeklagte ausströmte. Das Urteil fiel äußerst milde aus: 15 Tagessätze zu je fünf Euro. Und das Engagement der Betreuerin ließ Hoffnung zu, dass der 31-Jährige es doch noch schaffen könnte, sich aus seiner Misere zu befreien. Sie ist intensiv auf der Suche nach einer Behinderten-Werkstatt, in der ihr Klient eine Arbeit findet, die er trotz seines schwachen Sehvermögens leisten kann. Da ahnte die Betreuerin noch nicht, dass am Eingang zum Gericht eine Flasche Wodka auf ihren frisch verurteilten Besitzer wartet. Und ein Freund, der sich die Wartezeit schon mal mit einer Flasche der mitgebrachten Bierration verkürzte.

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