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Tiefrote Fensterfront

CASTROP-RAUXEL Wir haben 3,8 Grad, gefühlt war es eher sibirisch, als sich der Thermografieexperte Oliver Turrek Zeit nahm für unsere Zeitung, um den Schwachstellen bei der energetischen Versorgung von städtischen Gebäuden auf die Schliche zu kommen.

von Von Ilse-Marie Schlehenkamp

, 28.12.2007

Eigentlich ist der 37-jährige Henrichenburger ein Nacht- und Nebeltäter. Denn nachts, wenn der gemeine Energieverbraucher schläft, ist Turrek auf Auftrag mit seiner Kamera unterwegs, um Daten einzufangen, die mithelfen, den Energieverbrauch zu senken. Eine Einschätzung zu liefern, wo es Wärmebrücken gibt im Gebäude, wo Ansätze sind für bauliche Maßnahmen. Turrek tourt nachts, weil es dann keine von der Sonneneinstrahlung beeinflussten Ergebnisse gibt."Was soll man hier machen" Unsere erste Station ist das Forum. Morgens um 7.30 Uhr. Eine einzige Katastrophe. Auf den Fensterrahmen des Rathauses misst die Kamera von Turrek 11,4 Grad. Indiz, dass jede Menge Energie flöten geht. Aber der Experte zeigt Erbarmen. „Was soll man hier machen“, sagt er. Die vom dänischen Stararchitekten Arne Jacobsen entworfene Optik mit den Glasfronten ist irreversibel. „Hier kann man wohl nur durch Nutzerverhalten optimieren“, sagt Turrek. Denn natürlich hat er sofort die auf Kipp stehenden Fenster als weitere Schwachstelle ausgemacht. Ansatzpunkt ist der Büromief durch die Akten. „Bei den langen Fluren“, sagt Turrek, könnte man mit einer Lüftungsanlage arbeiten, die auf Wärmerückgewinnung basiert. „Kostet aber,“ schränkt er ein. Von 20 Fenstern, die wir vor der Kamera haben, stehen neun auf Kipp. „Da können sie hier noch so viel Photovoltaik aufs Dach ballern,“ befindet der Fachmann, „mehr sparen könnte man durch energiebewusstes Verhalten.“ Und schiebt gleich noch einen hinterher.„Ist aber im Großen und Ganzen okay“ „Ist so ähnlich wie in manchen Privathaushalten.“ Da werde häufig geguckt, dass es einen vernünftigen Energie-Mix gebe und dann führen die Leute quasi mit dem eigenen Auto bis an den Briefkasten. Unsere nächste Station ist das Adalbert-Stifter-Gymnasium. Und da sieht‘s gut aus. Obwohl diese unterschiedlichen Gebäudetrakte schon historischen Charme versprühen. Aber dank der Mittel aus dem Energiefonds, ist jede Menge erneuert worden an Fenstern und Fassade. Ein Schwachstück sitzt im Haupteingangstrakt auf einer Stelle mit Heizungsrohren. „Ist aber im Großen und Ganzen okay“, befindet Turrek.Der an dieser Stelle aufräumt mit der nachträglichen Wärmedämmung von innen. „Das ist immer problematisch“, sagt er, „Innenraumdämmung machen wir nicht gerne, da gibt‘s immer Schwachstellen zwischen der Dämmung und der Wand, in die gerne Schimmel einzieht.“Lüftungssystem wäre an Realschule angebracht An der Fridtjof-Nansen-Realschule, Turreks alter Schule, jodelt die mit einer Regenbogen-Skala versehene Kamera von Turrek fast. Und zeigt fürchterliche Temperaturschwünge auf. Der Seitentrakt mit viel Metall und Fenstern an der Zufahrt zu den Turnhallen ist völlig hinüber, frisst Energie ohne Ende und zeigt außerdem bedenkliche Fraßstellen an der Dachkante. „Da könnte man wirklich was mit einem Lüftungssystem über Wärmerückgewinnung machen“, ist Turrek überzeugt. Bei der „Wundertüte Hallenbad“ stiefelte Turrek auch rund ums Gebäude. Und das Füllhorn vergangener städtischer Finanzsorgen zeigte sich energetisch verträglich. Die Fensterfront wies 4,5 Grad Außentemperatur auf. Alles im grünen Bereich also!'

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