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Warum Castrop-Rauxel am Mittwoch voller Polizeikräfte war

Schwerpunkteinsatz gegen Einbruchs-Kriminalität

Am Mittwoch waren Hundertschaften, Mannschaftswagen, Fahrradstreifen – viele Polizisten unterwegs. Warum eigentlich? Wir befragten Polizeisprecher Wieland Schröder über Taktik, Erfolg eines solchen Intensivtages und knallende Sektkorken.

Castrop-Rauxel

, 15.03.2018
Warum Castrop-Rauxel am Mittwoch voller Polizeikräfte war

Die Polizei hatte Mittwoch einen Aktionstag, um Einbrechern auf die Schliche zu kommen. Vor allem kontrollierten die Polizisten verdächtige Fahrzeuge. © Polizei

Die Zahl der Einbrüche in Castrop-Rauxel ist im Jahr 2017 deutlich gesunken – doch 184 Einbrüche im Jahr, das ist noch immer jeden zweiten Tag einer. Aber es sind auch 135 Einbrüche weniger als noch 2016. Die Quote der aufgeklärten Fälle stieg in derselben Zeit auf 15,8 Prozent – von 10,6 Prozent. Am Mittwoch gab es nun einen Aktionstag der Polizei in Castrop-Rauxel. Dabei waren Einsatzkräfte im Stadtgebiet unterwegs. Beamte der Einsatzhundertschaft, des Bezirks- und Schwerpunktdienstes, des Verkehrsdienstes und zivile Kräfte der Kriminalpolizei überprüften an unterschiedlichen Örtlichkeiten insgesamt 85 Fahrzeuge und 77 Personen. Bei einem 52-jährigen Mann aus Dortmund klickten die Handschellen, da sich bei seiner Überprüfung herausstelle, dass er mittels Haftbefehl gesucht wurde. Zudem ahndeten die Beamten mehrere Ordnungswidrigkeiten.

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Im Interview mit unserer Redaktion nannte Polizeisprecher Wieland Schröder das am Tag drauf eine „repressive“ Maßnahme. Was er noch über Taktik, Erfolg und knallende Sektkorken sagt.

Wie viele Leute waren unterwegs?

Zu unserer Personalstärke machen wir grundsätzlich keine Angaben. Kräfte der Einsatz-Hundertschaft der Kreispolizeibehörde war dabei, die Direktion Verkehr und Kriminalität, der Bezirks- und Schwerpunktdienst und eine Mountainbike-Staffel.

Warum machen Sie denn keine genaueren Angaben?

Das tun wir aus taktischen Gründen nicht. Denn potenzielle Kriminelle könnten daraus etwas schließen.

Wie viele Kontrollstellen hatten Sie denn in der Stadt?

Wir haben in den vergangenen Jahren die Kontrollen immer an den Autobahnzu- und abfahrten an der A 42 gemacht. Diesmal haben wir das etwas anders gehandhabt: Wir haben die Kollegen in viele kleinere Gruppen eingeteilt, die dann im ganzen Stadtgebiet kurze und kleine Kontrollen durchgeführt und dann die Position gewechselt haben.

Warum?

Das hat taktische Gründe. Das spricht sich dann in den Täterkreisen nicht so schnell herum und man kann in alle Stadtteile gehen.

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Haben Sie diesen Aktionstag erstmals so dezentral organisiert?

Wir haben das schon einmal so gemacht. Das Konzept wird nach Auswertung der Lage an den flexiblen Orten vom Polizeiführer angepasst.

Welche Taktik ist denn besser?

Wir machen gerne beides. Der Erfolg einer Aktion lässt sich auch anhand der Zahlen schlecht belegen. Die Kollegen haben aber am Mittwoch viele einzelne Berichte geschrieben. Ein Beispiel: Wenn es einen Einbruch in Castrop-Rauxel gab und die Kollegen haben ein verdächtiges Fahrzeug durchsucht, dessen Insassen schon mal aufgefallen sind, dann kann das Fachkommissariat, das am Tag drauf diese Sache auf den Tisch bekommt, das mit den bisherigen Delikten in verschiedenen Bereichen zusammenbringen. Das sind einzelne Puzzleteile in den verschiedenen Ermittlungsverfahren, die uns weiter bringen. Die Informationen sind zum Beispiel wichtig, um Bewegungsprofile zu ermitteln.

Was wird genau kontrolliert?

Auffällige Fahrzeuge und Personen. Das sind zum einen Lieferwagen, aber auch andere ältere Autos. Die Kollegen schauen dann, was im Fahrzeug ist: Schraubendreher vielleicht oder Zangen? Das ist klassisches Einbruchswerkszeug. Wenn in der Fahrer- oder Beifahrertür Socken liegen, ist das extrem verdächtig: Sie werden meist als Handschuhe benutzt, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Dann steht fest, dass unsere Kollegen ganz genau hinschauen.

Was dann?

Das wird festgehalten und notiert, denn es besteht dann nicht automatisch ein Grund zur vorläufigen Festnahme. Wir müssen uns da an Recht und Gesetz halten.

Wie soll eine Fahrradstaffel dabei helfen?

Die Kollegen sind wendig einsetzbar. Sie können auch Täter verfolgen und festnehmen – da gab es Beispiele in Marl und Recklinghausen. Aber es geht auch darum, Präsenz zu zeigen. Die Kollegen kommen bei den Bürgern gut an, da ist schnell das Eis gebrochen. Die Leute sagen dann oft: „Ich habe dies und das beobachtet, wollte das auch der Polizei melden, aber hab das noch nicht geschafft.“

Jetzt hat die Polizei nur einen Haftbefehl am ganzen Tag ausgesprochen. Zu wenig für einen Aktionstag?

Der war wegen Betruges. Nein, daran kann man den Erfolg nicht messen. Wir haben eine sinkende Tendenz bei den Fallzahlen, was Einbrüche angeht, und die Aufklärungsquote verbessert. Repressive und präventive Aktionen und Termine sind wichtig - darum ist so ein Tag immer ein Erfolg. Die Zielklientel weiß dadurch nun auch noch mehr als bisher, dass wir ihnen intensiv nachsteigen. Vielleicht überlegen sie sich, ob sie in Castrop-Rauxel einbrechen.

Warum ist Ihre Aufklärungsquote gestiegen?

Einbruchszahlen zu senken, ist das Behördenziel Nummer eins schon seit langer Zeit. Wir haben die Bemühungen in den vergangenen Jahren verstärkt, Kontrolltage gemacht, Prominente für die Riegel-vor-Kampagne gefunden, Hebelstände auf Marktplätzen errichtet. Durch die Verzahnung der verschiedenen Maßnahmen und die gute Ermittlungsarbeit der Kollegen haben wir die Tendenz nun erreicht.

Haben bei Ihnen Sektkorken geknallt wegen der besseren Zahlen?

So weit will ich nicht gehen, aber wir freuen uns natürlich über die positive Tendenz.

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