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Wenn nach und nach alles verloren geht

CASTROP-RAUXEL „Es gibt keine Pille!“ Mit diesem Satz nimmt Gerd Wawzyniak den Angehörigen von Alzheimerkranken die trügerische Illusion, es gäbe Hoffnung auf Besserung. Doch Hilfe gibt es wenigstens für die Angehörigen.

von Von Gabriele Regener

, 05.10.2007

Wichtig sei es, Verständnis für die Betroffenen zu entwickeln, die Krankheit zu akzeptieren, erklären Bärbel und Gerd Wawzyniak, die Sprecherin der Alzheimer Angehörigengruppe und ihr Ehemann. Und die beiden wissen, worüber sie sprechen. „Wir haben meine Schwiegermutter zwölf Jahre lang durch diese Krankheit begleitet. In der Selbsthilfegruppe haben wir viel Verständnis und Unterstützung erfahren“, bilanziert Bärbel Wawzyniak.

Schon vor 15 Jahren ist diese Gruppe gegründet worden. Von einem Pfleger der Diakonie, der erkannt hatte, dass die Kranken in eine Welt abtauchen, die den Angehörigen verschlossen bleibt. Der festgestellt hatte, dass sie überfordert sind und sich allein gelassen fühlen.

Diagnose lange in Frage gestellt

Die Erfahrung, nicht allein mit dem Schicksal zu sein, ist hilfreich. Das haben Bärbel und Gerd Wawzyniak einst erfahren, und das empfinden auch die anderen Mitglieder der Selbsthilfegruppe. Dabei hat sich der Mann, der sich heute, drei Jahre nach dem Tod seiner Mutter, mehr denn je in der Gruppe engagiert, anfangs gegen alles gesträubt. Als seine Frau bereits Fachbücher wälzte, um mehr über Alzheimer zu erfahren, stellte er die Diagnose noch in Frage. Als seine Frau Unterstützung in der Selbsthilfegruppe suchte, ging er einmal mit. Und brauchte dann eine lange Auszeit.

Er weiß, wie schwer es ist mitanzusehen, wie sich ein Mensch verändert. Wie schwer es ist, Geduld aufzubringen. Heute hat er die Geduld, zieht aus der ehrenamtlichen Arbeit viel Positives für sich. Um den Verlauf der Demenz zu veranschaulichen, bemüht Bärbel Wawzyniak die Entwicklung eines Kindes. Während ein Kind immer selbstständiger wird, nimmt beim Demenzkranken die Hilfebedürftigkeit ständig zu. Den Kranken fällt es schwer, sich räumlich und zeitlich zu orientieren, sich zu erinnern und neue Erfahrungen aufzunehmen.

Sonnenblume ist  Symbol der Krankheit

Das Symbol auf dem Infoblatt ist mit Bedacht gewählt. Wie eine Blume ihre Blütenblätter verliert, geht den Kranken nach und nach die Erinnerung verloren. Rückwärts. Die Erlebnisse in der eigenen Kindheit bleiben am längsten. Was dazu führen kann, dass eine Frau in „dem alten Mann“ an ihrer Seite nicht mehr den Ehemann erkennen, weil sie selbst gedanklich in ihrer Jugend weilt.

Mit Informationsständen geht die Gruppe auch regelmäßig an die Öffentlichkeit. Mit dem Ziel, Verständnis und Hilfsbereitschaft zu fördern. Ein schwerer Weg, denn noch immer machen manche einen großen Bogen um den Stand, weil sie Angst vor Ansteckung haben. Ein Vorurteil, dem das Ehepaar unverdrossen entgegen arbeitet.   Ansprechpartnerin Bärbel Wawzyniak, Tel. 769 58.

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