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XXL-Windrad scheint keine Zukunft zu haben

Streitthema

OBERCASTROP Es wird keinen Aufwind geben für das XXL-Windrad an der Stadtgrenze. Das Schreckgespenst für die Nachbarn wird aller Voraussicht nach keinen Schatten mehr werfen.

von Von Ilse-Marie Schlehenkamp

, 24.04.2010

Zwar hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster dem Antrag auf Zulassung zur Berufung stattgegeben (RN berichteten). Aber: Der achte Senat, der sich in dieser Woche vor Ort ein Bild gemacht hat, ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass „die Klage der Nachbarin Erfolg haben muss“. So äußerte sich gestern Pressesprecher Dr. Ulrich Lau, Vorsitzender Richter am OVG, auf Anfrage unserer Zeitung.

Wie Lau weiter erklärte, habe das Gericht die Möglichkeit, über die Berufung im schriftlichen Verfahren zu entscheiden, sodass es keiner Verhandlung mehr bedürfe. Konkret bedeute dies, dass sowohl Klägerin Barbara Gröger als auch die Gegenseite innerhalb der nächsten zwei oder drei Wochen nach dem Vor-Ort-Termin noch einmal Stellung nehmen müssten zur Einschätzung des Senats. Gäbe es dabei keine bahnbrechende neue Erkenntnis, fälle der Senat die Entscheidung schriftlich. Lau: „Eine Möglichkeit, um Gerichte zu entlasten.“

Wie mehrfach berichtet, war der Zankapfel die optisch bedrängende Wirkung des Windrads, die das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bestätigt hatte. Der Abbau des flügellosen Windrads wäre die logische Konsequenz, bestätigt Lau. „Ohne Genehmigung ist die Anlage formell und materiell illegal,“ erklärte er. Barbara Gröger und ihr Mann Heinrich Breuckmann fürchten im Sog der Auseinandersetzung Repressalien aus Bochum. Die Nachbarstadt wollte nach Informationen unserer Zeitung diesen Standort im Wagenbruch unbedingt durchboxen, nachdem sie vor Jahren mit einem Windrad an Bürger-Widerstand in Stiepel gescheitert war.

Die Bezirksvertretung in Gerthe hat auch bereits vor Monaten grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplans gegeben. Mit Rücksicht auf die Landtagswahl, so heißt es, sei das Verfahren noch nicht im Stadtrat angekommen. In Bochum hält sich hartnäckig das Gerücht, die Grünen könnten vom Windrad den Fortbestand der Koalition mit der SPD abhängig machen. Gröger und Breuckmann haben unterdessen Signale von der Bochumer Stadt bekommen, dass der Anbau an ihrem Haus möglicherweise abgerissen werden müsse. Mit der Begründung, dafür gebe es keine Genehmigung. Der Anbau ist uralt. „100 Jahre – genau wie das Haus“, sagt Barbara Gröger. Unterlagen darüber sind im Krieg verschütt gegangen.