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China inside - Nicht jede Luxusuhr verdient den Namen

Berlin (dpa/tmn) Immer mehr Männer setzen dem Schuh-Tick vieler Frauen einen handfesten Uhren-Tick entgegen. Manche sind sogar stolze Besitzer von Sammlungen, die für jede Stimmungslage und Hemdfarbe das passende Modell bieten.

Das liegt auch daran, dass vermeintliche Luxusstücke heute zu vergleichsweise günstigen Preisen zu haben sind. Von einem Preisverfall bei Uhren von Topmarken kann allerdings nicht die Rede sein. Der Grund ist in manchem Fall vielmehr der, dass zum Beispiel in der Uhren-Kategorie von eBay eine Vielzahl neuer Marken zu Discount-Preisen feilgeboten wird.

Fantasievolle Namen, die nach Qualitätssiegeln wie Genf oder Glashütte klingen, prangen auf den Seiten. Gehäuse und Zifferblätter strotzen vor Zeigern, Schräubchen und Drückern. Die Unterseite ziert ein Glasboden, der den Blick auf das Innenleben freigibt. Und Stücke, die üblicherweise für mindestens 1000 Euro über den Ladentisch gehen, sind für 250 Euro zu haben. Des Rätsels Lösung liegt häufig in China. Denn längst sind es nicht mehr nur batteriegetriebene Billigticker, die aus dem Reich der Mitte den Weg ans westliche Handgelenk finden. Selbst renommierte Hersteller lassen inzwischen Zifferblätter oder ganze Gehäuse in Fernost fertigen.

Daneben gibt es aber auch findige Geschäftsleute, die sich aus einem chinesischen Katalog ein Modell aussuchen, ein paar Änderungen am Design in Auftrag geben und einen wohlklingenden Schriftzug aufbringen lassen. Das Ganze wird dann als Höhepunkt traditioneller Uhrmacherkunst an den Mann gebracht - und zwar bevorzugt dort, wo keiner fragt: im Internet.

Nur in Online-Uhrenforen erhebt sich aber bislang Protest. «Wir können nur gegen Fälschungen oder missbräuchliche Verwendung des Versprechens 'Swiss made' vorgehen», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie in Bienne. Zu deutschen Verbraucherschützern, die Abmahnungen aussprechen könnten, hat sich das Problem noch nicht herumgesprochen.

Uhrmachermeister Hans Balster aus Dortmund bekommt des öfteren Uhren «made in China» auf den Ladentisch. Inzwischen hat er unter «uhrmacher-balster.de» eine Liste von Marken ins Internet gestellt, die er nicht mehr zur Reparatur annimmt. «Die Gehäuse sind noch das beste», lautet sein Resümee. «Von der mechanischen Seite her sind aber die meisten Mist. Und Ersatzteile? Fehlanzeige.» Zu den wenigen Anbietern, die sich nicht über die chinesische Herkunft ihrer Uhren ausschweigen, zählt Ingersoll mit Sitz in Bühl (Baden-Württemberg).

Zwar wird auch hier auf die mehr als hundertjährige Tradition des Markennamens verwiesen, dessen Ursprünge in den USA liegen. Doch Geschäftsführer Werner Kwiatkowski bekennt: «Wir machen alles mit China. Wir wollen die besten Chinesen sein.» Kwiatkowski räumt zwar ein, dass Material- und Verarbeitungsqualität noch nicht Schweizer Standards erfüllen. Doch daran werde gearbeitet, und für die höhere Reklamationsquote hat Kwiatkowski noch eine andere Erklärung: «Unsere Uhren werden getragen. Die Breitling liegt im Schrank.»

Uhrmachermeister Balster: www.uhrmacher-balster.de

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