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Corinna Harfouch spielt „Die Präsidentin“

Recklinghausen. Erfolgreicher Comic auf der Bühne: In manchmal grellen Szenen werden rechtspopulistische Verführer demaskiert. Viel Applaus für ein ungewöhnliches Theaterprojekt.

Corinna Harfouch spielt „Die Präsidentin“

Eine gezeichnete Comic-Szene mit Schauspielerin Harfouch kündigt das Stück „Die Präsidentin“ bei den Rurfestspielen an. Foto: Marcel Keller

Erst ist „Die Präsidentin“ völlig willenlos und bewegt sich abgehackt wie eine Marionette. Später gibt sie sich als aalglatte Politikerin, die Illegale ausweisen will: „Ich bin gewählt worden, um unser Volk zu schützen, tut mir leid!“.

Die Schauspielerin Corinna Harfouch spielt in Varianten diese Frau, mal mit weit abstehendem Reifrock, mal in einem eleganten Anzug oder farbig geschminktem Gesicht: in Blau, Weiß, Rot, den Nationalfarben Frankreichs. In dem Theaterstück „Die Präsidentin“ geht es um die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen. Und was geschehen wäre, wenn vor einem Jahr nicht Emmanuel Macron Staatspräsident Frankreichs geworden wäre, sondern seine Kontrahentin vom rechten Rand.

In Frankreich wurde dieses Szenario in dem überaus erfolgreichen Comic „Die Präsidentin“ durchgespielt. Unter der Regie der Magdeburger Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz ist aus der Vorlage ein teils grelles Kaleidoskop von Szenen entstanden. Letztlich geht es auch um Populisten, die in anderen Ländern wie Ungarn und Polen an der Macht sind. Am Samstagabend gab es die Uraufführung der Bühnenfassung bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen, dem Koproduktionspartner des Theaters in Magdeburg.

Auf der Bühne herrscht oft ziemliche Hektik. Es erklingt die Marseillaise, die Präsidentin und ihre Entourage feiern ihren Wahlerfolg entfesselt und aufgekratzt wie in einem Slapstick. Es regnet Konfetti, die Anhänger tanzen wie Cheerleader. In einer Art Nummernshow zerlegt Corinna Harfouch die Politikerin: grell überzeichnet, dann eingeschüchtert als Entscheiderin der Atommacht Frankreich, hilflos beim angerichteten Chaos auf den Finanzmärkten, als eiskalte Taktiererin, als Phrasendrescherin.

Acht Mitglieder des Magdeburger Theaters stehen mit Harfouch auf der Bühne. Sie sind mal Anhänger und Minister, oder Leute für die Schmutzarbeit, welche die Präsidentin nun dringend loswerden muss oder sie machen Musik, wie der Schauspieler Ralph Opferkuch. Ständig werden auf der Bühne Kostüme gewechselt, Stühle verrückt, Metallrahmen herumgerollt und mit Sichtblenden zugehängt. Einer macht den Kameramann, die Bilder sind riesengroß auf der großen Wand hinter der Bühne zu sehen.

Das Thema treibt die Schauspieler um: In persönlich gefärbten Monologen präsentieren sie, eingestreut in die Inszenierung, ihre Sicht, auch Ratlosigkeit angesichts des wachsenden Populismus' und sind dabei sehr aktuell. Das umstrittene, geplante Polizeigesetz aus Bayern kommt ebenso zur Sprache wie Kinderarmut oder die Beilattacke in einem Regionalexpress.

Die Frau an der Macht, die gezielt mit Emotionen Politik macht, erleidet am Ende Schiffbruch: Das Land ist in Aufruhr, die Finanzmärkte spielen verrückt, irgendwie muss Geld her. Es wird getuschelt: „Die Präsidentin verliert zunehmend die Kontrolle“, und sie legt das Amt nieder. Die Nachfolgerin, die auch nicht besser ist, hat natürlich nachgeholfen.

Im Theater ist dann, nach mehr als zwei Stunden ohne Pause, noch nicht Schluss. Corinna Harfouch, die permanent auf der Bühne steht und die Aufführung trägt, kommt in Schwarz mit Federstola zurück, unterhält das Publikum und singt drauflos. Am Ende gab es warmen, herzlichen Applaus. In Recklinghausen steht „Die Präsidentin“ vier Mal im Spielplan. In Magdeburg hat das Stück am 2. Juni Premiere.

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