Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

DFB-Vize: "Wir haben aber nichts zu verkaufen"

LÜNEN Der Wirbel um die Erhöhung der Verbandsabgabe geht weiter. DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher sprach im RN-Interview über die Situation im Verband und die Forderung von Bayer Leverkusens Geschäftsführer Holzhäuser nach einem dritten Bundesligaspiel am Sonntag.

von Von Thorsten Theimann

, 21.12.2007
DFB-Vize: "Wir haben aber nichts zu verkaufen"

Hermann Korfmacher, DFB-Vizepräsident.

Können Sie sich vorstellen, dass die Vereine derzeit mächtig sauer auf den Verband sind?Korfmacher: Ich kann das verstehen. Wenn ich Vereinsvorsitzender wäre, wäre ich es wohl auch. Wir müssen den Blick aber einmal weg von den Prozentzahlen und auf die tatsächlichen Zahlen richten.

Dann sehen wir, dass ein Kreisligist - und das ist der Großteil unserer angeschlossenen Vereine - statt bisher 208 nun 416 Euro zahlen muss. Ein eigentlich überschaubarer Betrag. Im Vergleich zu den anderen Verbänden in Deutschland liegen wir noch im Mittelfeld.

Warum mussten die Mitgliedsbeiträge gleich verdoppelt werden?Korfmacher: Die Kosten für Personal und Energie sind rasend gestiegen. Wir als Verband haben aber nichts zu verkaufen, um ins Plus zu geraten. Zudem brechen uns immer mehr die Zuschüsse weg, so dass wir zuletzt aus unseren Rücklagen gelebt haben. Die sind nun aufgezehrt.

Ich bin aber froh, dass die 33 Kreisvorsitzenden einstimmig für diese Erhöhung waren. Ein Zeichen, dass die sich auch richtig Gedanken gemacht haben.

Hätte man nicht früher die Notbremse ziehen und die Beiträge nach und nach erhöhen sollen?Korfmacher : Das wäre unterm Strich egal gewesen. Vielleicht wäre es so in der Öffentlichkeit moderater behandelt worden. Ich kann aber versichern, dass sich die erste Aufregung in dieser Angelegenheit gelegt hat.

Die Weltmeisterschaft hat so viele Euro in die DFB-Kassen gespült, dass einige den Schritt dennoch nicht nachvollziehen können...Korfmacher: Okay, von diesem Geld haben wir aber auch profitiert, als wir das Sport-Hotel gebaut haben. Zwei Millionen flossen seitens des DFB nach Kaiserau, acht Millionen aus der Landeskasse.

Der Rest wurde günstig finanziert. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass das Hotel sich selber und die Sportschule trägt. Ohne Baumaßnahme hätten wir keine Zuschüsse bekommen. Das Sport-Hotel hat gar nichts mit der Beitragserhöhung zu tun.

 Auf der einen Seite sollen die Vereine mehr zahlen, auf der anderen soll ihnen die finanzielle Grundlage entzogen werden. Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser fordert ein drittes Bundesligaspiel am Sonntag um 13 Uhr, um die Fans in Asien zu bedienen. Die übrigen beiden Spiele sollen aber dann um 15.30 Uhr angepfiffen werden...Korfmacher: Glücklicherweise ist das nicht die Entscheidung von Herrn Holzhäuser allein. Wir haben so eine Diskussion schon einmal geführt. Die Meinungen sind dabei regional verschieden. Rund um Kaiserslautern beispielsweise können die Amateurvereine mit nur einem Zweitligisten in unmittelbarer Nähe damit leben. Im Ballungsraum Ruhrgebiet und Westfalen ist das anders. Über solch eine Entscheidung wird man reden müssen, wobei sich Amateure und Profis annähern müssen.

"Ich nehme die Probleme der Clubs sehr ernst" Aber Sie sind doch als DFB-Vizepräsident für den Amateurbereich gewählt worden. Sie verstehen doch die Probleme gerade der heimischen Clubs!Korfmacher: Das weiß ich und das tue ich auch. Ich nehme die Probleme der Clubs sehr ernst. Ich habe schon damals mit Herrn Meyer-Vorfelder über die Problematik diskutiert. Dass die Spiele nun am Mittag und frühen Nachmittag zum Anpfiff der Amateurspiele steigen sollen, trifft die Clubs hart.

Dieses Thema werde ich auch noch mit den Vertretern des FC Schalke und von Borussia Dortmund erörtern. Sehen sie: Die Amateurvereine verlieren nicht nur Zuschauer, es gibt auch Spieler, die Fans der Bundesligavereine sind. Dennoch: Was Herr Holzhäuser sich wünscht, wird noch lange nicht ohne wenn und aber umgesetzt.

Was haben die Clubs in den nächsten Jahren von Ihnen zu erwarten?Korfmacher: Das nächste Ziel ist ein Fußballentwicklungsplan. Wir müssen auf den demografischen Wandel in der Gesellschaft reagieren. Und das geht vor allem auch die Amateurvereine an.