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DJ Koze: Von Hamburg in die weite Welt

Hamburg. In seinem Genre ist DJ Koze ein international gefeierter Star. Fünf Jahre nach seinem letzten Album legt der Elektro-Produzent mit „Knock Knock“ nun ein Werk vor, auf dem er nicht nur mehrere Genres, sondern auch Künstler wie Róisín Murphy und Sophia Kennedy zusammenbringt.

DJ Koze: Von Hamburg in die weite Welt

Ein Mann mit Humor: DJ Koze. Foto: Gepa Hinrichsen

Wenn DJ Koze im Ausland auf Tour ist, wird er oft gefragt, wie man seinen Namen korrekt ausspricht. „Sie nennen mich Kosi oder Kose. In Japan klingt es wie Kosse„, erklärt der in Hamburg lebende DJ Koze, der bürgerlich Stefan Kozalla heißt, der Deutschen Presse-Agentur.

„Ich habe diesbezüglich losgelassen. Ich finde es schön, wenn sich Menschen selber einen Reim drauf machen.“ Er hätte auch viel zu tun, wenn er Lautschriften für die unterschiedlichen Länder aufschreiben sollte, in denen er auftritt. Denn mittlerweile ist der DJ, Musiker und Labelbetreiber in der ganzen Welt unterwegs.

Auch beim renommierten Coachella Festival in Kalifornien hat er 2016 seine Musik aufgelegt. „Es ist unglamouröser als man denkt“, übt er sich im hanseatischen Understatement. Mit seinem vor fünf Jahren erschienenen Album „Amygdala„ wurde der 1972 in Flensburg geborene Künstler zu einem der gefragtesten Elektronik-Produzenten weltweit, mit Millionen von Plays beim Streaming-Dienst „Spotify“. Er schaffte es in diverse Jahres-Bestenlisten und wurde mit dem Kritikerpreis Pop beim Echo sowie dem lokalen Musikpreis „Hans“ ausgezeichnet.

Und es sieht ganz danach aus, dass er mit dem neuen Album „Knock Knock“, welches er auf seinem eigenen Label „Pampa Records“ veröffentlicht, an den Erfolg wird anknüpfen können: Das britische „DJ Mag“ und die US-Online-Plattform „Pitchfork“ feiern den Deutschen mit großen (Titel)-Geschichten. Seine neue Single „Pick Up“ wurde auf BBC Radio 1 gar zur „Hottest record in the world“ gekürt.

„Das ist das Schönste überhaupt: Eine künstlerische Akzeptanz gefunden zu haben, die über den regionalen Kreis hinausgeht“, findet Koze. „Ich sehe mich auch gar nicht so sehr als Hamburger Künstler. Denn mich hat immer schon Musik von überall interessiert und nicht nur ein kleines Biotop“, so sein Selbstverständnis.

Angefangen hat er zu Beginn der 1990er Jahre als DJ in Flensburg. 1993 zog er nach Hamburg und gründete mit drei Freunden die Hip-Hop-Formation Fischmob, die fünf Jahre bestand. Mit der Elektrofunk-Supergroup International Pony veröffentlichte er drei Alben, bis er sich Mitte der Nuller-Dekade ganz seiner Solokarriere widmete. Anfänglich frönte DJ Koze dabei den härteren Techno-Beats, doch im Laufe der Jahre wurde seine Musik milder und unberechenbarer.

„Ich empfinde es als Vorteil, mit meinem Sound zwischen den Welten zu sein: Es ist nicht wirklich Hip-Hop, nicht Techno, nicht House. Es hat Pop-Appeal, aber keine Refrains. Die Stücke widersetzen sich vielen Dingen - das macht sie einzigartig. Man möchte ja wiedererkennbar sein, so dass Leute sagen: „'Das klingt nach Kosi'.“ Sein neues Werk ist in Hamburg und in der Abgeschiedenheit eines katalanischen Dorfes entstanden, wo er vor 17 Jahren ein Zweit-Domizil aufgeschlagen hat.

„Ich reise immer mit meiner Musik. Auch um zu sehen, ob sie in einer anderen Umgebung noch Sinn ergibt“, erklärt er. Eine illustre Schar an Gastmusikern hat er sich dafür eingeladen: Lambchops Kurt Wagner ist auf dem Album genauso vertreten wie der schwedische Folk-Sänger José González und Rapper Speech von der US-Hip-Hop-Gruppe Arrested Development. „Arrested Development haben mich in meiner Jugend unheimlich geprägt“, macht er deutlich.

Die in Hamburg lebende Amerikanerin Sophia Kennedy, die ihr viel gepriesenes Album auf Kozes Label veröffentlichte, ist auf zwei Stücken zu hören. Und auch die irische Elektropop-Künstlerin Róisín Murphy hat sich gleich doppelt verewigt. „Wir hatten schon länger einen schönen musikalischen Austausch. Ich mag, dass Róisíns Gesangsmelodien nie klebrig klingen.“ Viel Überzeugungsarbeit brauchte er bei keinem der Beteiligten. Für den tanzbaren Hit-Anwärter „Pick Up“ tat es ein bloßes Sample von Gladys Knight.

„Ich habe das Stück schon beim Coachella gespielt, da ist die Hütte abgebrannt. Das wird meine Altersversorgung“, lacht er. Als „Sad Disco“ bezeichnet DJ Koze mitunter seinen Stil. „Ich liebe Euphorie gepaart mit Melancholie“, bekennt er. „Ich könnte auch gar nicht anders. Ich könnte beispielsweise nicht den David-Guetta-Sound machen.“ Bei einem gelungen Track tanzt er schon mal „nackt vor dem Spiegel“, erzählt Koze. Und sowieso kommt der Humor bei ihm nicht zu kurz - dafür muss man sich nur mal das Album-Artwork, das ihn mit großem Hut auf einem Joshua Tree zeigt, ansehen.

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