Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Editorial

„Das gute Gefühl der Geborgenheit wirkt zerbrechlich“

DORTMUND Noch nie veränderte sich Heimat so schnell wie heute. Das gute Gefühl der Geborgenheit wirkt zerbrechlich angesichts von Globalisierung, Digitalisierung sowie von Kriegen und Katastrophen. Doch wir alle können Heimat leben. Chefredakteur Jens Ostrowski erklärt, warum wir uns in einer Serie unserer Heimat widmen.

„Das gute Gefühl der Geborgenheit wirkt zerbrechlich“

Wie groß war doch der Aufschrei, die Trauer und Enttäuschung von uns erwachsenen Kindern, als unsere Eltern vor einigen Jahren entschieden, den Schrebergarten nach mehr als zwanzig Jahren aufzugeben. Hier – in der grünen Lunge des Dortmunder Westens – aßen wir einst unsere erste Grillwurst, hier wurden Pflaumen und Kirschen direkt vom Baum genascht, hier haben wir Kinder zum ersten Mal unter freiem Himmel geschlafen, gebolzt und gelernt, wie man Stiefmütterchen richtig pflanzt. Der Schrebergarten, Ort unserer Kindheitserinnerungen, ein echtes Stück Heimat – das alles sollte uns genommen werden. Es folgte purer Protest.

Verlustgefühl speiste sich nur aus der Erinnerung

Unsere Eltern ignorierten die Empörung und sahen das damals völlig pragmatisch. Die Kinder und ihre helfenden Hände waren flügge geworden, die Gartenarbeit alleine nicht mehr zu schaffen. Aus, Schluss, verkauft. Für uns war das gefühlt ein großer Verlust. Zur Wahrheit gehört aber: Unsere Besuche im elterlichen Schrebergarten in den letzten drei Jahren vor dem Verkauf können an einer Hand abgezählt werden.

Wir Kinder, teilweise selbst mit Familie, haben uns dort kaum noch blicken lassen. Unser Verlustgefühl speiste sich aus der Erinnerung und hatte mit der Realität wenig gemein. Heimat verändert sich eben. Im Kleinen wie im Großen. Schon immer verbunden mit einem Aufschrei derer, deren Umgebung sich wandelt. Und doch ist derzeit etwas anders: Noch nie veränderte sich Heimat so schnell wie heute. Das gute Gefühl der Geborgenheit wirkt zerbrechlich angesichts von Globalisierung, Digitalisierung sowie von Kriegen und Katastrophen, die weltweite Fluchtbewegungen auslösen. Häufig äußern Menschen die Sorge, ihre Heimat sei bedroht.

Jeder kann mithelfen, Heimat zu gestalten

Die Wahrheit ist: Wir werden die Veränderung unserer Heimat nicht aufhalten können. Aber jeder kann mithelfen, Heimat zu gestalten. Indem wir uns ehrenamtlich engagieren im Verein, in der Nachbarschaft, in der Bürgerinitiative. Indem wir soziale Netze knüpfen, Traditionen nach vorne entwickeln, Junge und Alte in Kontakt bringen oder neu zu uns Gezogene einbinden. Wir alle können Heimat leben.

Auch unsere Redaktion möchte mitwirken. Deshalb widmen wir dem Thema „Heimat“ eine ganze Serie. Mit unserer Arbeit möchten wir Orientierung bieten, Gemeinschaft fördern, den Freuden, aber auch den Sorgen der Menschen einen Platz bieten. Wir möchten Heimat leben – machen Sie mit!

Anzeige
Anzeige