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Debatte über Tempolimit

GOSLAR Die Debatte über ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist auf dem 46. Verkehrsgerichtstag in Goslar neu entfacht worden. Der Präsident der Deutschen Akademie für Verkehrswissenschaft, Kay Nehm, forderte Gegner des Tempolimits auf, sich einer offenen Diskussion zu stellen. „Die Stimmung in der Bevölkerung beginnt unter dem Druck steigender Benzinpreise und des alltäglichen Chaos auf unseren Straßen langsam aber stetig zu wackeln“, sagte der ehemalige Generalbundesanwalt zum Auftakt des Kongresses.

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Generelle Tempolimits halten die deutschen Automobilclubs für nicht sinnvoll.

Der Präsident des Verkehrsgerichtstags, Prof. Friedrich Dencker.

Automobilclubs lehnten in Goslar eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung erneut ab. Im Vorjahr hatte sich der Verkehrsgerichtstag nach einer kontrovers geführten Diskussion gegen ein Tempolimit ausgesprochen.

Untersuchungen fehlen

„Meines Erachtens krankt die Diskussion in unserem Lande an notorischer Unaufrichtigkeit“, sagte Nehm. Es fehle an wissenschaftlichen Untersuchungen, und die Argumente bewegten sich „emotionsgeladen im seichten Wasser individueller Glaubensüberzeugungen zwischen sportlichem Anspruchsdenken auf der einen und steuer- und vermögensrechtlichen Neidkomplexen auf der anderen Seite“.

ADAC: Kein generelles Tempolimit

Der ADAC lehnte unterdessen ein generelles Tempolimit erneut ab. Die Autobahnen seien nach wie vor die sichersten Straßen in Deutschland, sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. „Ein Tempolimit könnte dazu führen, dass die Autofahrer vermehrt auf Landstraßen ausweichen und durch die Städte fahren. Dann hätten wir den Verkehr und die Abgase dort, wo wir sie nicht haben wollen.“

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft ist bei weniger als drei Prozent der jährlichen Verkehrsunfalltoten überhöhtes Tempo auf Autobahnen die Ursache. Aus Sicht der Unfallforschung bringe eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung keinen Nutzen, sagte ein Sprecher. Der Auto Club Europa forderte statt eines generellen Tempolimits intelligente Verkehrsleitsysteme auf den Autobahnen. Diese könnten bei Gefahrensituationen wie Nässe, Nebel oder starkem Verkehr mit Hilfe von Anzeigen die zulässige Höchstgeschwindigkeit drosseln.

AvD: Limit-Diskussion nicht sinnvoll

Auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) hält eine erneute Diskussion nicht für sinnvoll. „Der Verkehr wird durch ein Tempolimit nicht weniger, die Abstände auf den Autobahnen aber geringer, und dadurch kann auch die Staugefahr steigen“, sagte Sven Janssen vom AvD. Zudem könne die Akzeptanz der Autofahrer für die Verkehrsschilder sinken, wenn sie eine für den Fahrer nicht einsehbare Beschränkung beinhalten.

Verkehrsakademie-Präsident Nehm kritisierte am Donnerstag auch die ständig wechselnden Höchstgeschwindigkeiten auf Landstraßen und in Ortschaften. Diese nötigten zu „ständigem Bremsen und Beschleunigen mit allen Nachteilen für Umwelt und Verkehrsfluss oder, wie es die Regel ist, zur Überschreitung“ der zugelassenen Geschwindigkeit.

Fahrradverkehr

Der Präsident des Verkehrsgerichtstages, Prof. Friedrich Dencker, forderte in seiner Eröffnungsrede eine Zulassungsordnung für Fahrräder. Derzeit dürfe jeder Produzent auf den Markt bringen, was er wolle. Wegen fehlender Regelungen müssten noch nicht einmal die Bremsen Mindestanforderungen erfüllen. Dencker appellierte an die Politiker, den Fahrradverkehr als wesentlichen Teil des Straßenverkehrs anzuerkennen und für bessere Fahrradparkplätze und Radwege zu sorgen. Er gehe davon aus, dass der Fahrradverkehr wegen steigender Kosten für andere Verkehrsmittel deutlich steigen werde.

Kay Nehm sprach sich für den Einsatz von Unfalldatenschreibern in sämtlichen Fahrzeugen aus. Somit hätten Unfallgeschädigte, die bisher keine Zeugen oder aussagekräftige Spuren liefern könnten, beweiskräftige und objektive Daten.

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Generelle Tempolimits halten die deutschen Automobilclubs für nicht sinnvoll.

Der Präsident des Verkehrsgerichtstags, Prof. Friedrich Dencker.

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