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Debatte um Rapper-Text vor Echo-Verleihung

Berlin. Bei der Echo-Verleihung am Donnerstag treten in diesem Jahr Stars wie Kylie Minogue oder Rita Ora auf. Vor der Veranstaltung wird aber hauptsächlich über eine Textzeile von zwei nominierten Rappern diskutiert.

Debatte um Rapper-Text vor Echo-Verleihung

Prominente Showacts, viele Preise und zwei Rapper in der Kritik - der Echo 2018. Foto: Matthias Balk

Bei der diesjährigen Echo-Verleihung könnte die Frage nach den Grenzen künstlerischer Freiheit im Mittelpunkt stehen. Trotz heftiger Kritik an einem ihrer Texte und Antisemitismusvorwürfen bleiben die Rapper Kollegah und Farid Bang für die Verleihung an diesem Donnerstag in zwei Kategorien nominiert.

Es handele sich um einen „absoluten Grenzfall“, erklärte der unabhängige Ethik-Beirat des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), der die Preise auch in diesem Jahr in Berlin vergibt, nach seiner Entscheidung. Die künstlerische Freiheit sei in dem Text „nicht so wesentlich übertreten“, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Durch das große Medieninteresse an dem Fall rückten die geplanten Auftritte von Stars wie Kylie Minogue, Rita Ora und Helene Fischer vorerst in den Hintergrund.

Doch auch nach der Entscheidung des Beirats dürfte die Diskussion nicht beendet sein. Die Debatte werde „voraussichtlich auch ein Thema in der Sendung sein“, erklärte Echo-Geschäftsführerin Rebecka Heinz. In welcher Form, sei noch unklar. Nach einem Jahr Pause wird die 27. Verleihung des Musikpreises wieder live im Fernsehen übertragen (Vox, 20.15 Uhr). Zuletzt war 2013 die Band Frei.Wild nachträglich von der Nominierungsliste gestrichen worden. Ihr wurde eine Nähe zur rechten Szene vorgeworfen.

Im Zentrum der Vorwürfe gegen Kollegah und Farid Bang steht die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ aus dem Song „0815“ der beiden Musiker. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung und Kritik von Auschwitz-Überlebenden hatte der Beirat seine Untersuchung begonnen. Farid Bang entschuldigte sich auf seiner Facebookseite für mögliche Verletzungen und betonte, Kollegah und er würden sich von „jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten“ distanzieren.

Der jüdische Rapper Spongebozz ist neben Kollegah und Farid Bang in der Kategorie Hip-Hop/Urban National nominiert. Er findet die Entscheidung des Beirates nach eigenen Worten richtig. Die kritisierte Zeile sei „geschmacklos - aber nicht antisemitisch“, sagte der Musiker, der auch unter dem Namen Sun Diego bekannt ist. „Deswegen muss ich als Rapper sagen, dass ein Ausschluss Zensur wäre“, erklärte er. Spongebozz hatte sich vor einigen Monaten zu seinem jüdischen Glauben bekannt. Er sieht ein gesamtgesellschaftliches Antisemitismus-Problem, das nicht auf die Rap-Szene beschränkt sei.

Einer generellen Veränderung der Auswahl der Nominierten, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden, steht Rebecka Heinz allerdings skeptisch gegenüber. „Der Echo ist seit seiner Entstehung ein Publikumspreis, bei dem abgebildet wird, welche Künstler im vergangenen Jahr am erfolgreichsten waren.“ Diese Anforderungen erfüllen die beiden Rapper mit ihrem gemeinsamen Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ genauso wie alle anderen Nominierten. 

Darunter ist in diesem Jahr auch wieder Schlagerstar Helene Fischer, die 2017 nicht an der Verleihung teilnahm. Am Donnerstag hat die Rekordpreisträgerin (16 Trophäen) wieder Chancen auf einen Echo und wird auch auftreten. Als internationale Stars haben sich die Pop-Ikone Kylie Minogue, die britische Sängerin Rita Ora und der ehemalige Boyband-Sänger Liam Payne für Auftritte angekündigt. Auch Mark Forster und Gentleman sowie Rea Garvey und Kool Savas sollen das Publikum begeistern.

Während der Show gilt das Motto „von Musikern für Musiker“, erklärt Geschäftsführerin Heinz. Verschiedene Künstler, darunter Judith Holofernes und Die Lochis, werden durch die Verleihung führen und ihre Kollegen auszeichnen. 

Der Echo wird in 22 Kategorien mit jeweils 5 Nominierten vergeben. Für die Nominierung sind die Verkaufszahlen entscheidend. Bei der Preisvergabe fließt aber seit dem letzten Jahr das Votum einer rund 500-köpfigen Fachjury zu 50 Prozent in das Ergebnis ein. 

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