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Der Kampf um die FIFA Tickets

WM-Blog

Gestern wurde in Südafrika eine neue Schlangenart entdeckt: Die sogenannte “Warteschlange” vor den neu eröffneten FIFA Ticketing Centern. Sie besticht durch ihre enorme Länge, der großen Hitzeresistenz und einer extrem langsamen Vorwärtsbewegung...

21.04.2010

Am 15. April wurde die finale Verkaufsphase der WM-Tickets durch die Eröffnung der FIFA Ticketing Center in den WM-Austragungsstädten eingeläutet. 500.000 Tickets werden hier und in ausgewählten Supermärkten in den kommenden Wochen noch über den Tresen gehen. Der Direktverkauf soll den bisher etwas schleppenden Vertrieb der Eintrittskarten ankurbeln und den südafrikanischen Fussballfans eine bequeme Möglichkeit zum Erwerb der begehrten Ware bieten.Der bisherige Verkaufsprozess über das Internet und über Formulare, die bei einer Bank zu erwerben waren, hatte für viel Kritik und Unverständnis bei einem Grossteil der Bevölkerung gesorgt, denn schließlich haben viele Suedafrikaner keinen Zugang zum Internet. Wenigstens haben sich die WM-Organisatoren darum bemüht die Ticketpreise für Einheimische erträglich zu gestalten. So können die südafrikanischen Fans bereits für 140 Rand (ca. 14 Euro) ein Spiel besuchen, wohingegen die Besucher aus Übersee mindestens 560 Rand (ca. 56 Euro) investieren muessen. Trotz der Angleichung der Preise bleibt für viele Menschen hier der Besuch eines WM-Spiels ein nicht erschwinglicher Wunsch.

Mit großer Neugier habe ich dann gestern Nachmittag das Ticketing Center in Nelspruit aufgesucht. Schließlich habe ich bei der WM 2006 selbst in Gelsenkirchen in einem dieser Center als Sales Assistant gearbeitet und war deshalb sehr gespannt zu erfahren, wie es vier Jahre später abläuft. Schon von weitem konnte ich die Menschenmasse vor dem Center ausfindig machen, aber als ich mich dem Geschehen näherte musste ich in viele unzufriedene Gesichter blicken. Nach einigen Gesprächen stellte sich heraus, dass die meisten Wartenden seit den frühen Morgenstunden vor dem Center verharrten und sich die Schlange bei brütender Hitze von fast 35 Grad nur sehr gemächlich bewegte. Grund hierfür war die Überlastung und der zwischenzeitliche Ausfall des Computersystems. Zum Glück funktionierte dies noch einwandfrei am frühen Morgen als Nelspruit’s Buergermeister Lassy Chiwayo das Privileg genoss, sich als Erster ein WM-Ticket an einem der neuen Schalter zu kaufen. 

Somit war die WM-Vorfreude sichtlich getrübt bei den wartenden Leuten und die Frustration war deutlich spürbar. Die Sicherheitsbeamten Douglas Malibe und Ronny Mohlala versicherten mir aber, dass sie die Situation unter Kontrolle haben. Erst nach einiger Zeit konnte ich ein paar Glückliche ausfindig machen, die bereits erfolgreich Eintrittskarten erworben hatten und diese nun glücklich in ihren Händen hielten. Laudrick Ground war einer von ihnen, und er teilte mir mit, dass er über sieben Stunden für den Kauf seiner vier Tickets am Center verbrachte. Ein paar seiner Wunschspiele waren leider bereits ausverkauft, aber wenigstens hat er jetzt die Möglichkeit WM-Fußball im neuen Stadion von Neslpruit hautnah mitzuerleben. Um Unruhen zu vermeiden wurden schon am frühen Morgen Wartenummern vergeben, und Laudrick hatte die Nummer 19 zugeteilt bekommen. Somit war schnell klar wie wenig Transaktionen bisher stattgefunden hatten. Meinem kurz zuvor getroffenen, schon sehr verzweifelt drein blickenden und auf dem Bordstein sitzenden Bekannten Paul mit der Wartenummer 153 teilte ich diese Erkenntnis nicht mit... 

                       Aber auch seine WM-Freude wird wiederkehren, sobald ihm das Sicherheitspersonal Zutritt zu den schicken Verkaufsräumen des Ticketing Centers gewaehrt. In der Wartehalle selbst bekam der Begriff „Sitzfussball“ für mich eine völlig neue Dimension als ich einige Fans auf einem großen Teppich im Fußballfeld-Design sitzen sah, welche sich von den Strapazen des Tages erholten. Als ich am späten Abend auf dem Weg zum Supermarkt nochmals am Ticketing Center vorbeifuhr, hatte sich die Anzahl der wartenden Leute nur geringfügig reduziert. Ob Paul noch unter ihnen war konnte ich aus der Ferne nicht ausmachen.Nach dem Besuch des Ticketing Centers in Nelspruit war ich jedenfalls heilfroh, dass ich bereits einige Tickets vor ein paar Wochen erwerben konnte. Somit bleibt es mir zum Glück erspart mit der zurzeit berüchtigsten Schlangenart Südafrikas in näheren Kontakt zu gelangen.