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Des Kleinen Schicksal, des Großen Chance

BERLIN Für zehntausende Bergleute und ihre Familien ist der 8. August 2007 ein Schicksalstag: Auch wenn der von der Bundesregierung beschlossene Kohleausstieg mit Milliardensummen sozial abgefedert wird, verlieren viele Kumpel ihren Lebensinhalt. Für die RAG hingegen ist jetzt der Weg an die Börse frei.

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Die Bundesregierung hat es beschlossen: Für die Kumpels im Ruhrpott geht 2018 das Licht aus. Damit endet eine Ära, die die Region geprägt hat wie keine andere.

Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der RAG: Unter seiner Führung beschloss die Bundesregierung das Ende der Steinkohle-Ära. Und mit ihm will der Konzern an die Börse gehen.

Schon die Väter und Großväter vieler Knappen waren in den Schacht eingefahren, um das „schwarze Gold“ tief aus dem Berg zu holen. Weil die deutsche Kohle heute zu teuer ist, ertönt im Jahr 2018 für die Bergmänner zum letzten Mal nach Schichtende der Ruf „Schicht im Schacht“. Die positive Seite: Mit dem Börsengang der neuen RAG erhält das Ruhrgebiet bald einen neuen industriepolitischen Champion in der Börsenbundesliga DAX. Eine Zerschlagung und ein Verkauf an ausländische „Heuschrecken“ wurden verhindert.

Der von persönlichen Eitelkeiten und Proporzdenken geprägte Streit um die Zukunft der RAG hatte die Koalitionspartner über viele Monate entzweit. Am Ende entschieden die industriepolitische Vernunft und der Zeitdruck, um die rechtlichen Voraussetzungen für den Börsengang des „weißen Bereichs“ der RAG aus Chemie (Degussa), Kraftwerken (Steag) und Immobilien zu schaffen.

Der neue Konzern mit dem geheimen Namen

RAG-Chef Werner Müller spricht von einer „neuen Ära“ für den Mischkonzern. Der Ex-Wirtschaftsminister will den neuen Konzern mit 43.000 Mitarbeitern, dessen Name aus drei Buchstaben noch geheim ist, im ersten Halbjahr 2008 erfolgreich an die Börse bringen. Erwartet wird ein Erlös von etwa fünf Milliarden Euro, mit dem die Kohle-Stiftung in den nächsten Jahrzehnten den Großteil der Bergschäden regulieren soll. Die alten Bergschächte müssen bis in alle Ewigkeit mit Riesenaufwand abgepumpt werden.

Müller gilt als Architekt des Börsengang- und Stiftungsmodells für die RAG. Sein Traum, an der Spitze der Kohlestiftung die Wirtschafts- und Kulturförderung in NRW aktiv mitzugestalten, blieb unerfüllt. Dafür sorgte der Düsseldorfer Regierungschef Jürgen Rüttgers. Der CDU-Politiker soll Müller verübelt haben, dass dieser im NRW- Wahlkampf die SPD unterstützt habe.

Rüttgers saubere Kohlebilanz

Rüttgers Kohlebilanz kann sich sehen lassen: Müller als Stiftungsboss verhindert, eine starke Position im Kuratorium und der Ausstieg von NRW aus den Subventionszahlungen vier Jahre früher als der Bund. Dass die von der SPD durchgeboxte Klausel zum „Ausstieg aus dem Ausstieg“ 2012 gezogen wird, hält Rüttgers für utopisch: „Das wird keine Bundesregierung schultern können.“

SPD-Vizekanzler Franz Müntefering bestand auf einer „echten Revision“. Der RAG machte der Sauerländer klar, dass bis 2012 die Infrastruktur so auszusehen habe, dass ein Fortführen des Bergbaus möglich sei. Experten glauben aber nicht, dass die Kohle in fünf Jahren auf dem Weltmarkt ohne Subventionen plötzlich wettbewerbsfähig ist. Spätestens 2018 könnte es also sein, dass auf einer NRW- Veranstaltung der einstigen „Kumpelpartei“ SPD das legendäre Bergmannslied „Glück auf, der Steiger kommt“ nicht mehr angestimmt wird.

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Die Bundesregierung hat es beschlossen: Für die Kumpels im Ruhrpott geht 2018 das Licht aus. Damit endet eine Ära, die die Region geprägt hat wie keine andere.

Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der RAG: Unter seiner Führung beschloss die Bundesregierung das Ende der Steinkohle-Ära. Und mit ihm will der Konzern an die Börse gehen.

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