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Deutsches Desaster in Kasan - Löw lässt Zukunft offen

DFB-Team

Das Unternehmen Titelverteidigung ist krachend gescheitert. Nach einem peinlichen 0:2 gegen Südkorea scheitert das DFB-Team erstmals in 84 Jahren WM-Geschichte in der Gruppenphase. Bundestrainer Joachim Löw lässt seine Zukunft offen.

KASAN

27.06.2018
Deutsches Desaster in Kasan - Löw lässt Zukunft offen

Lässt seine Zukunft offen: Bundestrainer Joachim Löw. © dpa

Aus und vorbei! Titelverteidiger Deutschland ist nach einer beschämenden Abschlussvorstellung bei der Weltmeisterschaft in Russland gestürzt. Der Schlafwagen-Fußball beim 0:2 (0:0) in Kasan gegen limitierte Südkoreaner wurde mit dem historischen Vorrunden-Aus bei einem WM-Turnier bestraft. Youngg-won Kim (90.+2) und Hyeung-Min Son (90.+6) besiegelten die peinliche Niederlage mit ihren Treffern in der Nachspielzeit.

Schweden gewinnt 3:0

Weil Schweden parallel gegen Mexiko mit 3:0 gewann, hätte nicht einmal einen Nullnummer gereicht. Das behäbig agierende Team von Bundestrainer Joachim Löw fiel mit drei Punkten sogar noch hinter die Südkoreaner auf den letzten Platz der Gruppe F zurück. Schweden und Mexiko (je 6) sind im Achtelfinale.

Vier Jahre nach dem Triumph von Rio ist nach nur zehn Turnier-Tagen das Unternehmen Titelverteidigung mit dem Tiefpunkt deutscher WM-Geschichte beendet. Schon am Donnerstag geht es zurück nach Deutschland, wo ab sofort heftige Debatten auch um die Zukunft von Weltmeistercoach Löw entbrennen dürften.

Der 58-Jährige schließt einen Rücktritt nicht aus. „Es ist zu früh für mich, die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden, um klarzusehen“, sagte Löw im ZDF. Teammanager Oliver Bierhoff geht „fest davon aus, dass Jogi weitermacht“.

Fünf Wechsel

Nach dem so wichtigen Last-Minute-Coup gegen Schweden setzte Löw seine WM-Rotation konsequent fort. Fünf Wechsel nahm er vor. Diesmal traf es zunächst auch Thomas Müller. Sein künftiger Münchner Kollege Leon Goretzka kam für den je fünfmaligen WM-Torschützen der Jahre 2010 und 2014 zu seiner Turnier-Premiere, hatte aber große Probleme, seine Rolle auf rechts zu finden.

FOTOSTRECKE
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Fußball-WM, Gruppe F: Südkorea - Deutschland 2:0 (0:0)

27.06.2018
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Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
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Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa
Bilder der WM-Partie zwischen Südkorea und Deutschland. © dpa

Auch Niklas Süle, der in der Innenverteidigung neben Rückkehrer Mats Hummels den gesperrten Jérôme Boateng vertrat, kam zu seinem ersten WM-Spiel. Die gegen Schweden aussortierten Mesut Özil und Sami Khedira durften im Mittelfeld wieder mitwirken. Löws Signal: Der Konkurrenzkampf wird hochgehalten. Aber: Der Effekt blieb aus.

Frische und Dynamik fehlen

„Wir hoffen auf eine gewisse Frische, Dynamik und Schnelligkeit“, begründete Bierhoff noch kurz vor dem Anpfiff im ZDF die Personalauswahl des Bundestrainers. Das hatte auch schon Assistenztrainer Marcus Sorg als ganz wichtiges Kriterium genannt. Löws Taktik-Beobachter auf der Tribüne konnte aber per Funk keine guten Nachrichten auf die Bank übermitteln.

Deutsches Desaster in Kasan - Löw lässt Zukunft offen

Schweden besiegte Mexiko mit 3:0 und sicherte sich dadurch den Gruppensieg. © dpa


Gerade Frische, Dynamik und Schnelligkeit fehlten im deutschen Spiel - auch bei Khedira und Özil, die eher im phlegmatischen Mexiko-Modus agierten. Eine lange Abtastphase beider Teams brachte vor allem Zeitlupenfußball im Mittelfeld. Schwerfällig und behäbig war der Aufbau. Ungenaue Pässe und Flanken, zu wenig Bewegung: So kam das Offensivspiel nicht in Schwung.

Taktisches Manko

Zum Abschluss kamen die Südkoreaner. Torwart Manuel Neuer hatte bei einem Freistoß von Woo-Young Jung (19.) große Fangprobleme, rettete dann aber selbst mit wuchtigem Einsatz vor Heung-Min Son. Der Stürmerstar von Tottenham Hotspur kam kurz darauf zu einem Volley-Schuss (25.).

Die Hitze in Kasan konnte nicht als Ausrede dienen. Das deutsche Spiel plätscherte langsamer dahin, als die Wolga am Stadion vorbeifloss. Neben der fehlenden Dynamik gab es auch ein taktisches Manko. Wenn der noch recht agile Timo Werner immer wieder auf die Flügel auswich, fehlte eine Anspielmöglichkeit im Angriffszentrum. WM-Rekordtorschütze und Löw-Assistent Miroslav Klose sah es auf der Tribüne neben Boateng mit Sorge. Als Werner (43.) dann endlich einmal zum Abschluss kam und den Pfosten traf, hätte ein Tor wegen eines Foulspiels von Jonas Hector ohnehin nicht gezählt. Zur Halbzeit gab es Pfiffe aus dem deutschen Fan-Block.

Fehlende Körpersprache

Die große Chance zur Führung bot sich Goretzka (47.). Sein Kopfball wurde von Südkoreas Schlussmann Hyeon-Woo Jo glänzend pariert. Kurz nach der Führung der Schweden gegen Mexiko in Jekaterinburg vergab Werner eine weitere Großchance. Nun wurde der Druck immer größer. Löw reagierte und brachte Stoßstürmer Gomez für den so enttäuschenden Khedira.

Auch Müller (63.) wurde vom entthronten Weltmeister-Coach noch gebracht. Das zweite schwedische Tor machte die Ausganglage leichter. Nun fehlte wieder nur ein Tor, um den K.o. abzuwenden. Gomez hatte bei einem Kopfball (68.) eine gute Chance, kurz darauf traf er den Ball vor dem Tor nicht richtig. Es fehlte die Körpersprache, das Aufbäumen. Das waren nur noch Verzweiflungsaktionen. Nur Mats Hummels rüttelte immer wieder auf und hatte per Kopfball die Chance zum Lucky Punch (87.). Ohne Erfolg. Kim und Son besiegelten die historische deutsche Fußball-Pleite.

Von dpa