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Nord- und Südkoreas historischer Schritt

Dicke Überraschung: Gemeinsames Team statt WM-Duell

Halmstad Eigentlich sollten die Tischtennis-Teams von Nord- und Südkorea am Donnerstag bei der WM in Schweden gegeneinander spielen. Doch dann beschlossen beide Länder: Wir bilden ab sofort ein gemeinsames Team - und gehen zusammen ins Halbfinale.

Dicke Überraschung: Gemeinsames Team statt WM-Duell

Ab jetzt ein gemeinsames Team: Die Tischtennis-Spielerinnen von Nord- und Südkorea. Foto: Twitter.com/ITTF World

Das sporthistorische Ereignis wurde perfekt inszeniert. Bei der Tischtennis-WM in Schweden liefen die Damen-Teams von Nordkorea und Südkorea am Donnerstag zunächst ganz normal zu ihrem geplanten Viertelfinal-Duell in die Arena von Halmstad ein. Doch anstatt sich am Tisch warmzuspielen, versammelten sich alle Spielerinnen und Trainer auf einmal für ein gemeinsames Foto, nahmen sich in die Arme und winkten ins Publikum. Der Hallensprecher verkündete: Nord- und Südkorea werden bei dieser Weltmeisterschaft nicht gegeneinander spielen, sondern ab sofort ein gemeinsames Team bilden, das am Freitag im Halbfinale antreten wird.

„Große historische Entscheidung“

„Das ist eine große historische Entscheidung für unsere beiden Länder“, sagte der Vizepräsident des südkoreanischen Tischtennis-Verbandes, Ryu Seungmin. „Das ist ein wichtiges Statement, um den Friedensprozess zwischen unseren beiden Ländern durch den Tischtennis-Sport unterstützen zu können.“

Die beiden offiziell noch immer im Kriegszustand befindlichen Länder bildeten schon einmal bei der WM 1991 in Japan ein gemeinsames Team und hatten ohnehin vor, dies auch bei den Asien Spielen Ende August in Indonesien zu tun. Doch in diesen Tagen passt die Wiedervereinigung an der Tischtennis-Platte besonders gut in die politische Entwicklung. Erst vor einer Woche überquerte Nordkoreas Diktator Kim Jong als erster Machthaber seines Landes seit dem Ende des Koreakriegs vor 65 Jahren die Grenze zwischen beiden Staaten, um mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in ein Gipfeltreffen abzuhalten.

Gemeinsamer Einmarsch bei den Winterspielen

Auch der Sport tut seit den Olympischen Winterspielen gern so, als habe er diese Entspannungs- und Annäherungspolitik überhaupt erst auf den Weg gebracht und könne sie auch weiter beeinflussen. In Pyeongchang gab es im Februar unter anderem einen gemeinsamen Einmarsch beider Länder, ein gemeinsames koreanisches Eishockey- Team und schon einmal Gespräche zwischen Moon Jae-in und einem hochrangigen nordkoreanischen General.

Auch die Entwicklung bei der Tischtennis-WM wäre nicht ohne den Weltverband ITTF und das Internationalen Olympischen Komitee möglich gewesen. Die Entscheidung und das Okay für eine gemeinsame koreanische Mannschaft sei das Ergebnis eines Dreiergesprächs zwischen beiden Verbänden und der ITTF gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Weltverbands. Die ITTF gab sofort ihr Einverständnis dazu, mitten in einem laufenden Wettbewerb ein neues Team zuzulassen.

Es gab „Standing Ovations“

„Als ich unser Board of Directors über die Pläne informiert habe, haben die Delegierten darauf mit Standing Ovations reagiert“, sagte der deutsche Weltverbands-Präsident Thomas Weikert. Die Bildung eines koreanischen Teams nannte er einen „historischen Schritt“.

Eine gemeinsame Mannschaft im Tischtennis hat in Nord- und Südkorea noch einmal eine größere symbolische Bedeutung als im Wintersport. Denn Tischtennis ist in diesem Teil der Welt ein Volkssport. Tischtennis sei „das perfekte Medium, um die Idee vom Frieden durch Sport zu unterstützen“, heißt es in der Mitteilung der ITTF. Auch der Präsident des nordkoreanischen Verbandes, Ju Jong Chol, erklärte: „Dies ist das Ergebnis einer starken Unterstützung durch die ITTF und das IOC. Wir werden unser Bestes tun, um durch den Zusammenschluss von Nord- und Südkorea noch bessere Ergebnisse zu erzielen.“

Männer spielen getrennt weiter

Die Männer werden in Halmstad allerdings als Nord- und Südkorea weiterspielen. Ein gemeinsames Team werden beide Länder bei dieser WM nur bei den Frauen bilden. Die Gelegenheit dazu ergab sich auf einmal am späten Dienstagabend. Da war nach der Auslosung der K.o.-Runde klar: Wenn die Nordkoreanerinnen im Achtelfinale gegen Russland gewinnen, treffen Nord- und Südkorea im Viertelfinale aufeinander.

Ihren Plan hielten beide Länder und die ITTF trotzdem bis zum Donnerstagvormittag geheim. „Das hat uns hier alle überrascht“, sagte der deutsche Sportdirektor Richard Prause. „Das ist ein Riesending.“

Von dpa

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