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Deutscher eSport-Profi in den USA

Die Geburt des „virtuellen Nowitzki“ bei den Mavericks

Dortmund Dirk Nowitzki ist der bekannteste, Maximilian Kleber der bislang letzte. Im Mai wird Jannis Neumann der nächste Deutsche bei den Dallas Mavericks, obwohl er weder groß noch sportlich wie ein Profi ist.

Die Geburt des „virtuellen Nowitzki“ bei den Mavericks

Computer-Monitor statt Basketball-Feld: Jannis Neumann vor seinem „Sportgerät“. Foto: Privat

Als Jannis Neumann sich vor acht Jahren eine Playstation und das Basketball-Videospiel „NBA 2K11“ kauft, ahnt er noch nicht, dass dies der Beginn einer unglaublichen Geschichte ist. Basketball interessiert den Jungen vom Niederrhein, er spielt selbst gerne, schaut auch viel, vor allem die US-amerikanische Basketball-Liga NBA, er ist Fan der Boston Celtics, aber dieses Videospiel, das hat es ihm in besonderem Maße angetan.

Geburt eines virtuellen Hühnen

Zunächst spielt er, wie es ein Jugendlicher halt so macht. Nach der Schule, nach der Ausbildung, nach der Arbeit als Hotelfachmann in Köln. Trotzdem ist er weltweit einer der Besten, was er weiß, weil man NBA2K vor allem über das Internet spielt. 2016 dann stellt der Hersteller des Spiels einen Online-Modus vor, in dem man nur einen einzigen Spieler steuert - es ist die Geburt des virtuellen 2,16-Meter-Hühnen „JLB“, ein von Neumann erstellter Computer-Basketballer. „JLB“ kann auf zwei Positionen spielen, wie Dirk Nowitzki ist er entweder als Power Forward oder als Center unterwegs. Der Modus ändert sich, der Erfolg bleibt. Im Januar 2017 gewinnt Neumann mit seinem Team die NBA2K-Europameisterschaft in London.

Es ist das Jahr, in dem sich für ihn alles ändert. Vier Monate nach dem Europa-Turnier kündigt die NBA in den USA an, eine eSport-Profi-Liga zu gründen. Die Qualifikation dafür beginnt im Januar 2018. Für den 21-Jährigen ist klar: Mit einem Full-Time-Job hat er keine Chance, mit den besten der Welt mitzuhalten. Er kündigt bei seinem Chef: „Ich habe mir eine gute Chance ausgerechnet“, sagt Neumann über die mutige Entscheidung. Seine Eltern unterstützen ihn, sein Chef lässt ihm sogar die Tür für die Rückkehr offen.

NBA siebt aus

Im Januar muss Neumann zunächst einmal 50 Siege sammeln, um sich für die zweite Runde zu qualifizieren. Er schafft es zusammen mit 72.600 anderen Gamern. Im Februar muss er in 40 Zufallsspielen zeigen, was „JLB“ drauf hat. Wieder ist er einer der 250 Besten. Im Anschluss führt die NBA Telefoninterviews mit allen Teilnehmern durch, siebt noch einmal aus, bis 102 Spieler übrig sind.

Im März hat Neumann eine Nummer aus den USA auf seinem Smartphone: „Ich war einer der Letzten, die angerufen wurden, aber die Freude war riesig“, erzählt er über den Moment, der sein Leben verändert. Denn mit dem Anruf ist klar: Neumann ist nicht nur der einzige Deutsche und einer von nur drei Europäern in der Liga, sondern wird auch die nächsten sechs Monate in den USA verbringen, als Teil eines virtuellen NBA-Teams, inklusive Wohnung, Verpflegung, medizinischer Betreuung und 26.000 Euro Taschengeld. Insgesamt werden in der Liga eine Million Dollar an Prämien ausgeschüttet. „So richtig realisiert habe ich es noch nicht, es ging einfach alles total schnell in den letzten Wochen“, sagt Neumann.

„Virtueller Nowitzki“

In der vergangenen Woche fällt die Entscheidung, für welches der 17 teilnehmenden NBA-Teams er antreten wird. Beim „Draft“ wird er tatsächlich von den Dallas Mavericks ausgesucht. Schon im Vorfeld wurde er als „virtueller Nowitzki“ bezeichnet. Sein zukünftiger Trainer Jonah Edwards sagt: „Die Mavericks lieben ihre deutschen Spieler, aber ich habe Jannis gewählt, weil er weltweit einer der besten Center ist, einen großartigen Charakter hat und alles dafür tut, um zu gewinnen.“

Neumann selbst ist der Vergleich sogar etwas unangenehm: „Ich nehme das mit Humor, Nowitzki ist einer der besten deutschen Sportler aller Zeiten, und man sollte mich nicht mit so einer Legende in einem Satz nennen. Aber dadurch, dass ich jetzt auch noch von Dallas gewählt wurde, wird es vermutlich schwer, den Namen wieder loszuwerden.“ Ein Problem hat er momentan allerdings noch: Das Visum lässt auf sich warten. Doch für einen NBA-Profi wird das sicher kein Problem sein.

Anm. d. Red. In einer ersten Version des Artikels hatten wir behauptet, Dirk Nowitzki wäre der erste Deutsche bei den Dallas Mavericks gewesen und Maxi Kleber der Zweite. Das ist falsch. Richtig ist: Die beiden sind Spieler 1 und 2, die direkt aus Europa zu den Mavericks gekommen sind. Die beiden ersten Deutschen bei den Mavericks aber waren Detlef Schrempff und Uwe Blab bereits im Jahr 1985. Es folgte 1997 Shawn Bradley bevor Dirk Nowitzki 1998 in die USA ging und 1999 sein Debüt für Dallas gab. 20102 spielte der eingedeutschte US-Amerikaner Chris Kaman für die Mavs und seit 1997 auch Maxi Kleber.

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