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Die LINKE hat NRW erreicht

GLADBECK Mit Inbrunst geschwenkte rote Fahnen, rhythmisches Klatschen, nach oben gereckte Fäuste, Schlachtrufe „Jetzt geht´s los“: Pünktlich um zwölf Uhr mittags („High noon“) war die Linkspartei am Samstag endgültig in NRW angekommen.

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Die LINKE hat NRW erreicht

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, spricht am Samstag in Gladbeck.

Und will auch nicht mehr weg, wie sie mit dem „Wir sind Helden“-Titel „Wir sind gekommen, um zu bleiben“ zusätzlich musikalisch unterstrich. Dass das Spruchband mit dem Titel „Düsseldorf wir kommen“ keine leere Drohung ist, werden die parlamentarischen Mitbewerber CDU, SPD, FDP und Grüne bereits morgen erfahren. Zwar hat es der von den Grünen im Frühsommer im Zorn geschiedene münstersche Landtagsabgeordnete Rüdiger Sagel als viel gefragter Gast des Gründungsparteitages in der Maschinenhalle von Gladbeck-Zweckel peinlichst vermieden, seinen Übertritt zur Linken offiziell zu vollziehen.

Grüne Handschrift

Allerdings hat der 52-jährige Haushalts- und Finanzexperte schon jetzt Parteigeschichte geschrieben. Die 300 Delegierten nahmen eine von Sagel mitformulierte Passage in die Präambel ihres Programms auf, das deutlich die grüne Handschrift zeigt, nämlich den Einsatz für eine „innovative, soziale und ökologische Industriepolitik im Ruhrgebiet“. Programmatisch tut sich die Linke naturgemäß schwer, weil mit den so genannten „Quellparteien“, also die von westdeutschen Gewerkschaftern aus Protest gegen die Agenda 2010 gegründete WASG und die aus der SED in Ostdeutschland hervorgegangene PDS zwei politische Kulturen zusammengefügt werden, die sich fremd sind.

Konsequentes Kontrasprogramm

Auf der Ebene der Landespolitik will die Linke im Prinzip das konsequenteste Kontrastprogramm zur Politik der gegenwärtigen Landesregierung: KiBiz sofort stoppen, eine Schule für alle bis zum 10. Schuljahr, gebührenfreie Hochschulen, Umkehr der Privatisierungspolitik sowie die Wiedereinführung umfangreicher Mitbestimmungsrechte. Das sind zum Teil Forderungen, die natürlich auch dem DGB gut gefallen, und so ließ es sich Landeschef und Sozialdemokrat Guntram Schneider nicht nehmen, in einem ausführlichen Grußwort seine Sympathien für die Linke zu bekunden.

Lieblingsgegner FDP

Das tat er umso lieber, weil sein „Lieblingsgegner“, FDP-Fraktionschef Gerhard Papke, ihn zuvor aufgefordert hatte, seinen Auftritt in Gladbeck abzusagen, weil er sich sonst zum „Steigbügelhalter einer mit Extremisten durchsetzten, wirren Truppe“ mache. Das war eine ideale Steilvorlage für den DGB-Chef, der seinen Auftritt nicht nur dazu nutzte, genüsslich über die FDP herzuziehen, sondern die Linke eindringlich dazu aufforderte „regieren zu wollen“ und damit indirekt zur Ablösung von Schwarz-Gelb aufrief. Den unumstrittenen Höhepunkt der Veranstaltung hatte allerdings zuvor bereits der Berliner Fraktionschef Gregor Gysi mit einem viel umjubelten rhetorischen Feuerwerk abgeliefert. Mit seiner durchaus witzig und unterhaltsam vorgetragenen Grundsatzkritik am Kapitalismus wärmte er die Herzen der Genossen in der sehr fußkalten Industriehalle. 

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