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Die Spur der Millionen

LONDON/DORTMUND Die Lombard Street in London ist ein feines Pflaster. Hier residieren Anwälte und Banken, die Themse ist nur einen Steinwurf entfernt. Hier könnte sich entscheiden, ob Teile der Affäre um fahrlässige Geschäfte des Ruhrgebiets-Entsorgers AGR aufgeklärt und mutmaßlich veruntreute Millionensummen jemals gefunden werden können. Denn hierhin führt die Spur des Geldes.

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Einen ersten Erfolg konnte die deutsche Justiz am Mittwoch verbuchen, als Ermittler die Schlüsselfigur am Frankfurter Flughafen festnahmen: Rhodri Philipps, britischer Geschäftsmann und Blender mit adeligem Blut. Der Abkömmling eines angesehenen britisch-chilenischen Familienclans wusste zwar, dass gegen ihn ermittelt wird – dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth jedoch bereits einen Haftbefehl wegen Untreue erwirkt hatte, war ihm offenbar neu. Bis die Handschellen klickten.

Privat längst pleite

Philipps war es, an dessenundurchsichtiges Netz von internationalen Briefkastenfirmen der kommunale Entsorgungskonzern AGR (Herten) im Herbst 2004 den maroden Baukonzern Brochier quasi verschenkte. Die AGR, eine Tochter des Regionalverbands Ruhr, hatte Brochier im Jahr 1999 gesetzeswidrig gekauft und war deshalb vom NRW-Innenministerium angewiesen worden, die Firma loszuwerden. Fünf Jahre später verkaufte man, Brochier hatte nie einen Gewinn abgeworfen, sondern immer nur gekostet. Bis heute sind 120 Millionen Euro öffentliche Gelder vernichtet worden (wir berichteten).

Philipps war zum Zeitpunkt der Übernahme privat längst pleite. Doch das war nicht schlimm, schließlich kostete Brochier nur einen Euro. Damit der klamme Philipps Brochier nahm, legte die AGR Darlehen und Kredite im Umfang von insgesamt 50 Millionen Euro drauf – darunter war auch ein Elf-Millionen-Kredit, der die Geschäftstätigkeit von Brochier sicherstellen sollte.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Philipps aus diesem Topf acht Millionen Euro nahm, um die Frankfurter Chemiefirma LII Europe zu kaufen, die seinen Briefkastenfirmen noch immer gehört. Drei Millionen Euro sind offenbar verschwunden, Philipps könnte seinen teuren Lebensstil damit finanziert haben, glauben die Fahnder. Brochier musste im letzten Sommer Insolvenz anmelden.

11-Millionen-Überweisung

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