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Bjarne I. Mädel

"Die beste Stromberg-Staffel - es geht um was"

Dortmund Der umstrittenste Chef Deutschlands kehrt am Dienstag auf den Bildschirm zurück: Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) nervt wieder seine Mitarbeiter bei der Capitol-Lebensversicherung. Uwe Becker sprach zum Auftakt der neuen Staffel mit Bjarne I. Mädel, der den Einzelgänger Berthold Heisterkamp (Spitzname: Ernie) spielt.

"Die beste Stromberg-Staffel - es geht um was"

»Ernie«-Darsteller Mädel mit einem Fan im Bochumer UCI bei der Stromberg-Preview.

Herr Mädel, würden Sie mit Ernie privat ein Bier trinken gehen? Mädel: Mit einer gewissen Entferung zwischen uns schon. Aus geruchstechnischen Gründen. Aber ich glaube, in meinem Freundeskreis hätte er keinen Platz.Was reizt sie noch an der Figur? Nicht jeder würde sie fünf Staffeln lang spielen.Mädel: Es ist ja nicht nur die Figur, die mich reizt. Es ist das Gesamtpaket, die Kollegen die klasse sind, Arne Feldhusen als Regisseur und natürlich die Texte von Ralf Husmann. Es ist einfach ein tolles Format. Es ist für uns alle immer wieder ein Fest, wenn wir wissen, dass wir uns wieder ein paar Wochen treffen. Die Rolle im Speziellen macht ja auch Entwicklungen durch. In der vierten Staffel hatte Ernie extrem mit Depressionen zu kämpfen, jetzt ist er eher wieder grundbeleidigt und auf einem gleichen Level der Hysterie. Ich finde übrigens ehrlich, dass die aktuelle Staffel die beste ist. Sie ist am Dichtesten und man merkt, es geht um was.

Die fiesesten Stromberg-Sprüche

Ich bin ja quasi die perfekte Mischung aus jung, aber sehr erfahren. Gibt's in der Form ja sonst nur auf dem Straßenstrich.
Wenn du als Chef beliebt bist, hast du schon was falsch gemacht. Ein beliebter Chef kann auf seiner Nase gleich 'ne Diskothek eröffnen, wo sie alle rumtanzen können. Kinder und Angestellte brauchen klare Grenzen.
Büro ist wie Achterbahnfahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das jeden Tag acht Stunden machen muss, täglich, dann kotzt man irgendwann.
Als Chef ist Sensibilität extremst wichtig. Gerade mit andersgeschlechtlichen Mitarbeitern. Zum Beispiel Frauen.
Ärger ist wie ein Blumentopf. Von je höher er kommt, desto eher tut er dem weh, der ihn auf den Kopf kriegt
Ich bin für klare Hierarchien. Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: 'Hier Moses, ich hab da mal was aufgeschrieben, was mir nicht so gut gefällt. Falls du Lust hast, schau doch da mal drüber. Nein, da hieß es: Zack, 10 Gebote! Und wer nicht pariert, kommt in die Hölle. Bums, aus, Nikolaus.
Deshalb läuft das bei den Chinesen auch so gut, wenn da einer gegen den Chef muckt, dann erschießt der den einfach... Hier brauchste ja schon zwei Jahre, um 'nen Waffenschein zu bekommen.
Sie haben als „kleiner Mann“ mal eine Serien-Hauptrolle auf Pro 7 gespielt. Bedauern Sie, dass es nur eine Staffel gab?Mädel: Ja, ich hätte es wahnsinnig gern weiter gemacht. Der Typ hatte großes Entwicklungspotenzial. Aber die Quoten sprachen dagegen. Wobei ich glaube, dass wir den falschen Sendeplatz hatten. Direkt nach „Switch“ mit den eingespielten Lachern eine eher subtilere Comedy zu bringen und dann noch um 22.40 Uhr, ist eher problematisch. Mir persönlich hat es allerdings nicht geschadet, ich bin für den Bayerischen Fernsehpreis nominiert worden, was ja dafür spricht, dass man nicht sagen kann, der Mädel war einfach zu schlecht.Bei Stromberg scheint die Quote nicht so entscheidend zu sein.Mädel: Da war von Beginn an viel Mut beim Sender da und auch Überzeugung. Dann hat sich viel über die DVD-Verkäufe ergeben. Die Leute haben das dann in Gruppen zuhause geguckt und daraus hat sich ein Kult entwickelt. Allerdings hatte die vierte Stromberg-Staffel gute Quoten. Außerdem gab es bei Stromberg viele Anfragen von Firmen, die da ihre Werbung schalten wollten, weil Stromberg von vielen jüngeren und männlichen Zuschauern geguckt wird. Wenn das Produkt finanziert ist, ist das ja schon mal eine wichtige Voraussetzung.Hat hat sich ihre Popularität seit Stromberg auf ihr Privatleben ausgewirkt? Als Theaterschauspieler waren sie nicht so bekannt.Mädel: Nein, das hat sich gar nicht ausgewirkt. Auch materiell nicht. Ich habe mir weder Haus noch Boot gekauft und auch keine Kredite abzubezahlen. Ich lebe im Grunde wie ein Student. Ich habe eine Matratze auf dem Boden und wohne in einer Mietwohnung. Ein sehr hoher Lebensstandard macht unfreier, weil man ständig darum kämfen muss, ihn zu halten. Ich kann es mir immer noch leisten, Sachen abzusagen, weil ich keinen finanziellen Druck habe. Ich muss nicht zum Promikochen gehen. Ich habe kein Auto, kein Motorrad, sondern ein altes Fahrrad, das noch fährt. Natürlich freue ich mich, wenn ich auf der Speisekarte nicht nur auf die rechte Spalte mit den Preisen gucken muss, sondern danach gehen kann, was ich möchte.Wie wäre es denn, wenn Herr Rademann Sie aufs Traumschiff bitten würde?Mädel: Ach nee, wenn überhaupt, würde ich lieber privat in der Südsee Urlaub machen. Aber auch dann nicht auf einem Kreuzfahrtschiff.An der Rolle läge es nicht?Mädel: Nein, man hat auch einfach zu viel Freizeit auf dem Traumschiff. Das ist ja vermutlich auch der Grund, warum Christoph Maria Herbst nebenbei das Buch geschrieben hat.Wie machen Sie Urlaub?Mädel: Ich fahre in ein Land und gucke, wo es schön ist. Gerne auch mit dem Rucksack. In Thailand habe ich mir eine Hütte am Strand genommen. Und dann in ich einfach von Insel zu Insel gereist und geblieben, wo es schön war. Man ist als Schauspieler zeitlich sehr fremdbestimmt. Im Urlaub will ich das ganz anders haben.Auch anders als Ernie?Mädel: Der würde Vollpension in Benidorm buchen. Ich nie.Sie spielen oft den sympathischen Loser. Keine Angst, aus der Nummer nicht mehr rauszukommen?Mädel: Nee, im nächsten Februar zum Beispiel spiele ich einen ziemlich brutalen Ex-Knacki. Die Leute kriegen schon mit, dass ich auch andere Rollen spielen kann. Klar ist es auffällig, weil ich in „Mord mit Aussicht“ ja auch keinen echten Gewinner spiele. Aber der ist anders doof als Ernie. Der Dietmar Schäffer ist gemütlich und ruht in sich selber. Ein richtiger Mann halt und kein Rührei auf Füßen wie der Ernie. Ich verwandele mich auch äußerlich gern für meine Rollen. Für „Mord mit Aussicht“ muss ich ja jedesmal sieben Kilo zulegen und mir einen Vollbart wachsen lassen. Auch , damit die Leute nicht denken: Hier kommt Ernie aus Stromberg.Wenn man Herbst abseits der Rolle erlebt, kommt er ihr immer noch recht nah.Mädel: Nein, das ist aber eigentlich nicht so. Christoph benutzt allerdings manchmal Strombergs Art zu sprechen auch privat ganz gern. Er benutzt auch den Strombergschen Duktus. Aber Christoph privat ist einfach ein toller Schauspieler und nicht eins zu seins Stromberg. Aber er kommt da etwas schwerer von weg. Er ist allerdings weit weg vom Arschloch, sondern ein toller Kollege. Hochgradig professionell, einer, der während der Drehzeit alle mitzieht, der immer gute Stimmung macht. Ich werde demnächst für den NDR einen Vierteiler über einen Tatortreiniger drehen und dann versuchen, mein Team am Set genauso bei Laune zu halten. Wenn Du die Hauptnase bist, bist Du eben auch für die Stimmung verantwortlich.Sind Sie manchmal in der Gefahr, dass man den Schauspieler mit der Figur verwechselt nach dem Motto: Der arme Kerl, keine sozialen Kontakte…Mädel: Nee, absolut nicht. Ich bin privat weit entfernt von Ernie. Ich gehörte auch nie zu den Verlierern der Klasse, ich war eigentlich immer beliebt und habe einen guten und intakten Freundeskreis.Wobei der Name es ihnen nicht leicht gemacht hat.Mädel: Ja, aber das wirklich, als ich noch ganz klein war und zu allem Überfluss auch noch längere Haare hatte. Aber brutal gehänselt worden bin ich nie. Ich habe gerade noch für eine NDR-Serie alte Klassenkameraden und meine ehemalige Grundschullehrerin wiedergetroffen: Die haben bestätigt, dass mit mir alles okay war. Von meinem alten Fußballverein sind von 14 Leuten zwölf gekommen. Die Fußballzeit ist immerhin schon 30 Jahre her. Sowas freut einen dann schon.

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