Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Die meisten Deutschen sind zu dick

BERLIN - Je älter und je weniger gebildet, desto dicker: Die meisten Bundesbürger sind zu schwer, jeder Fünfte gar fettleibig. Das geht aus der ersten gesamtdeutschen „Verzehrstudie“ hervor.

/
Hin und wieder mal einen Hamburger oder Pommes ist nicht das Problem...

Die meisten Deutschen sind zu dick.

Diese stellte Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch in Berlin vor. Das Übergewicht nimmt mit höherem Alter zu und ist sehr stark von der sozialen Schicht abhängig. Auch junge Erwachsene werden immer dicker. Die Menschen müssten einsehen, dass es an ihnen selbst liege, sagte Seehofer. Er warnte, je größer der Bauchumfang, umso höher sei das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zucker. Die Bundesregierung will die Deutschen zu gesünderer Ernährung und mehr Fitness bewegen - aber ohne „erhobenen Zeigefinger“.

Zwei Drittel der Männer und 51 Prozent der Frauen bringen zu viele Kilos auf die Waage, ergab die Studie. Je höher der Schulabschluss, desto geringer das Problem. Rund 70 Prozent mit Hauptschulabschluss haben Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit). Nur gut halb so viele Abiturienten sind davon betroffen. Schweres Übergewicht ist vor allem in niedrigeren sozialen Schichten verbreitet.

Singles sind dünner

Die wenigsten Übergewichtigen finden sich unter Menschen mit hohem Nettoeinkommen. Auch Beziehungen sind ausschlaggebend: Männer mit Partnerin neigen viel häufiger zu Übergewicht als Singles. Bei Frauen ist das Übergewicht erst deutlich höher, wenn sie verheiratet sind. Die meisten übergewichtigen Männer gibt es in Schleswig-Holstein, bei den Frauen im Saarland. Die wenigsten finden sich in Hamburg und Bremen.

Unter Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren sind 18,1 Prozent der Jungen und 16,4 Prozent der Mädchen übergewichtig oder fettleibig. Bei 40- bis 49-jährigen Männern sind rund 70 Prozent zu schwer, bei über 60-jährigen Männern schon mehr als 80 Prozent. Bei Frauen liegt der Anteil zwischen 40 und 49 Jahren bei knapp der Hälfte, bei über 60-Jährigen bei etwa drei Viertel. Doch nicht alle Deutschen werden immer dicker: Im Vergleich zu 1998 sind weniger Männer und Frauen zwischen 30 und 60 Jahren übergewichtig. Der Anteil sank bei Frauen um bis zu acht Prozent. Ein weiteres Problem sind untergewichtige Mädchen. Ihr Anteil steigt zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr von 4 auf fast 10 Prozent.

"Leicht sportlich aktiv"

Seehofer will mit dem „Aktionsplan Ernährung“ gegensteuern. „Wir setzen auf einen Prozess der Aufklärung und Information.“ Der Präsident des Bundesinstituts für Ernährung, Gerhard Rechkemmer, empfahl ausgewogene Ernährung mit Reis, Kartoffeln, Brot, Nudeln sowie viel Obst und Gemüse. Es geht auch um Bewegung. Laut Studie sind die Bundesbürger zweieinhalb Stunden pro Woche „leicht sportlich aktiv“.

Eine „Ampel“-Kennzeichnung für Lebensmittel lehnt Seehofer als zu vereinfacht ab. Nach seinen Plänen sollen sich Verbraucher auf Verpackungen über Kalorien, Zucker, Fett, Salz und gesättigte Fettsäuren informieren können - mit Angaben pro Portion und in Bezug zum Kalorienbedarf. In Großbritannien zeigen rot, gelb, grün, ob der Gehalt etwa an Fett, Zucker, Salz hoch, mittel oder niedrig ist. Die Grünen-Fraktion und die Linke forderten dagegen die „Ampel“ für Deutschland. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn machte sich auch für ein Werbeverbot im Fernsehen für Süßigkeiten vor 20 Uhr stark.

Angst vor Gammelfleisch

Wenn Bundesbürger einkaufen, sind Geschmack, Frische und Mindesthaltbarkeitsdatum am wichtigsten, ergab die Untersuchung. Ein niedriger Lebensmittelpreis kommt erst auf dem zwölften Platz. Wenn es um Risiken beim Essen geht, haben die Bürger nach Darstellung Seehofers mehr Angst vor Gammelfleisch, Pestiziden und Hormonrückständen als vor falscher Ernährung. Nur acht Prozent der erwachsenen Deutschen können einschätzen, wie viele Kalorien sie brauchen. Zwölf Prozent der Bundesbürger halten eine Diät ein. Zwei Drittel der Frauen und ein Drittel der Männer schätzen ihre Kochkünste mit sehr gut bis gut ein. Für die Studie des Bundesinstituts für Ernährung im Auftrag der Bundesregierung wurden von 2005 bis 2007 bundesweit fast 20000 Menschen zwischen 14 und 80 Jahren befragt.

/
Hin und wieder mal einen Hamburger oder Pommes ist nicht das Problem...

Die meisten Deutschen sind zu dick.

Anzeige
Anzeige