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32-Jähriger wurde wegen Vergewaltigung verurteilt

Prozess am Essener Landgericht

Im zweiten Prozess um sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2016/17 ist ein 32-jähriger Familienvater aus Lembeck am Montag doch noch verurteilt worden. Die Strafe: anderthalb Jahre Haft auf Bewährung.

Dorsten/Essen

, 10.04.2018
32-Jähriger wurde wegen Vergewaltigung verurteilt

Ein Lembecker wurde jetzt doch noch verurteilt. © Foto: Maja Hitij / dpa

Mit ihrer Entscheidung haben die Berufungsrichter am Essener Landgericht ein früheres Urteil des Dorstener Amtsgerichts gekippt. Außerdem muss der Angeklagte 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Opfer, eine langjährige Bekannte des verheirateten Angeklagten, hat laut Urteil überhaupt keine Veranlassung dazu gegeben, dass es in der Silvesternacht zum Oralverkehr gekommen sei. „Sie hat klar und eindeutig gesagt, dass sie das nicht wollte“, sagte Richter Andreas Labentz.

Sie hat sich gewehrt

Außerdem habe sie sich unbestrittenermaßen gewehrt, als der Angeklagte ihr auch noch die Unterwäsche ausziehen wollte. Das sei aussagekräftig genug. Rechtlich sei der Oralverkehr daher eine Vergewaltigung gewesen. Die 30-Jährige hatte nach einer gemeinsamen Silvesterfeier im Haus des Angeklagten und dessen Ehefrau (ihrer damals besten Freundin) übernachtet.

Am frühen Morgen war der Angeklagte noch einmal aufgestanden und zu ihr ins Wohnzimmer gegangen. „Sie lag da auf der Couch und hat darauf gewartet, dass ich zu ihr komme“, hatte er den Richtern gesagt. Und: „Es war für mich überhaupt nicht erkennbar, dass sie irgendetwas nicht gewollt hat.“

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Man habe sich sogar noch einen Gute-Nacht-Kuss gegeben, bevor er sich wieder zu seiner Frau ins Ehebett gelegt habe. Was die Richter allerdings stutzig machte: Später hatte der Angeklagte davon gesprochen, dass es sich aus seiner Sicht um ein Rollenspiel gehandelt habe, bei dem er den aktiven Part übernommen habe. „Das zeigt doch schon, dass Sie erkannt haben, dass etwas passiert ist“, so Andreas Labentz.

„Nicht tolerieren“

„Der Angeklagte hat geglaubt, dass ein Nein ein Ja ist“, sagte Christin Riemann, die Anwältin der 30-Jährigen. „Das darf nicht toleriert werden.“ Zum zweiten Prozess war es nur gekommen, weil ihre Mandantin nach dem Freispruch in Dorsten Berufung eingelegt hatte. Auch die Staatsanwaltschaft hatte diesmal eine Verurteilung beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann noch Revision einlegen.