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Angeklagter versuchte Frau von Trinkermilieu fern zu halten

Schöffengericht

DORSTEN Wegen fünf Straftaten musste sich ein 53-jähriger Hartz IV-Empfänger vor dem Schöffengericht in Dorsten verantworten. Dabei wollte der Mann offenbar nur seine schwer alkoholkranke Frau vom Trinkermilieu fernhalten. Das Gericht förderte die ganze Geschichte in einer langwierigen Verhandlung zu Tage.

von Von Hakan Keser

, 23.04.2010

Richterin Regine Heinz kürzte die ganze komplizierte Fragerunde allerdings rigoros ab: „Lassen Sie mich mal fragen. Ich glaube Sie sind bei den Formulierungen zu vornehm“, übernahm sie resolut das Ruder, als der Staatsanwalt etwas zu umständlich zu Werke ging. Demnach soll der Angeklagte Ralf S. eine Tür eines Bekannten eingetreten haben. S. räumte ein, die Tür von Vladislav Z. in Wulfen-Barkenberg zertrümmert zu haben, um seine alkoholkranke Frau aus der Wohnung zu lotsen. Den Nachweis über die Alkoholsucht seiner Gattin erbrachte er mit einem Gutachten aus 2008. Daraus geht hervor, dass S.´s Ehefrau wegen maßlosen Alkoholkonsums kurz davor stand, dauerhafte gesundheitliche Schäden davon zu tragen.

Eine Bekannte hatte S. gesteckt, dass seine mittlerweile von ihm getrennt lebende Frau sich in besagter Barkenberger Wohnung mit zwei anderen Männern aufhalte, um hochprozentige Getränke zu konsumieren. Trotz der Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten im Prozess mit einigen Zeugen konnte aber der Anklagepunkt der schweren Körperverletzung entkräftet werden konnte.

Denn S. hatte einen anderen Mann, Leo P., geschlagen, weil der seiner Frau permanent Alkohol besorgte. Die Frau hatte ihren Lieferanten und späteren Liebhaber Leo P. in der Psychiatrie kennen gelernt. Weitere Trinkkumpane konnten nicht näher zur Aufklärung beitragen, weil sie Erinnerungslücken hatten. Deswegen wurde der Vorwurf der schweren Körperverletzung, wonach S. sein Opfer auch noch getreten haben soll, fallen gelassen. Er wurde in zwei Anklagepunkten freigesprochen, aber zu 75 Tagessätzen á zehn Euro wegen Sachbeschädigung und einer einfachen Körperverletzung verurteilt.

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