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Gärtnern gegen Vergessen

Projekt im Altenzentrum Maria Lindenhof

DORSTEN Petersilie, Tee, Schnittlauch, Blumen: Eine Pflanze nach der anderen verbuddeln die Senioren des Altenzentrums Maria Lindenhof in den Beeten. Ein paar Damen im Rollstuhl sehen zu, eine fängt an zu singen: „Im Märzen der Bauer…“ und die anderen stimmen ein: „…die Rösslein anspannt.“ Einrichtungsleiterin Diana Lange lächelt. Denn genau das war mit der Pflanzaktion beabsichtigt.

von Von Berthold Fehmer

, 16.04.2010
Gärtnern gegen Vergessen

Heinrich Schierenberg war einer der Senioren des Altenzentrums Maria Lindenhof, die gestern Kräuter und Blumen pflanzten.

Demenzkranke Personen erinnern sich bei handarbeitlichen Tätigkeiten oder beim Musizieren oft an alte Fähigkeiten – Bruchstücke aus einem früheren Leben, zu dem sie meistens keinen Zugang mehr haben. „Menschen, die ihre Familie nicht mehr erkennen, können plötzlich ganze Liedtexte singen“, sagt Michael Horst, Sprecher des Diakonischen Werks. Warum ist das wichtig? Mit den fehlenden Erinnerungen, sagt Horst, geht oft auch eine tiefgreifende Verunsicherung der Demenzkranken einher. Die Alltagskompetenz schwindet, ebenso wie die Orientierung. Wenn sie sich an Lieder erinnern, oder daran, wie sie früher ihren eigenen Garten umgegraben haben, weicht die innere Unruhe. „Die Menschen können wieder bei ihrer eigenen Person ankommen.“ Lange bestätigt: „Sie sind dann viel entspannter.“

Auch Mathilde Thimm ist die Freude am Graben in der Erde, am Pflanzen, am Grün ins Gesicht geschrieben. „Natürlich habe ich früher auch einen Garten gehabt“, sagt die 95-Jährige und strahlt über das ganze Gesicht, während sie die Petersilie einpflanzt. „Alle Sinne werden angesprochen“, sagt Lange. Die Kräuter, die die Bewohner anpflanzen, werden künftig auch in der Küche des Altenzentrums eingesetzt. „Der Schnittlauch landet irgendwann bei ihnen wieder auf dem Teller“, sagt Lange. Mit der Einstellung von drei Betreuungsassistenten (eineinhalb Stellen) wird man sich im Altenzentrum künftig noch gezielter um demenzkranke Bewohner kümmern. Auch um die, die fast nicht mehr mobil sind, und nicht mehr am Beschäftigungsprogramm der Einrichtung teilnehmen können. Rund 100 Bewohner leben derzeit im Altenzentrum, etwa 35 sind immobil, 15 schwerstpflegebedürftig.

Die Demenzkranken unter ihnen werden in Kleingruppen bis hin zur Einzelbetreuung versorgt. Vom gemeinsamen Kochen, dem Gestalten der Räume nach Jahreszeiten bis hin zum Körperkontakt sollen die Sinne angeregt werden.

  • Mit Melanie Kaiser, Irene Unterberg und Hans-Jürgen Schauer konnten drei Betreuungsassistenten für Demenzkranke im Altenzentrum Maria Lindenhof mit jeweils einer halben Stelle eingestellt werden.
  • Sie mussten eine 160-Stunden-Weiterbildung absolvieren, bringen aber auch noch zusätzliche Qualifikationen mit. Möglich wurden die Stellen durch einen Zuschuss, der durch das Pflegeweiterentwicklungsgesetz geregelt ist.