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Himmelschreiend komisch

Dorsten Es ist das alte Lied. Männer und Frauen können nicht miteinander. Befreundet sein, natürlich. Denn irgendwann schlägt Eros zu und dann ist es aus mit dem platonischen Gedöns.

12.08.2007

Es war ja klar, im Grunde wollen alle sowieso nur das Eine, und dieses Eine ist: Sex. Das jedenfalls behauptet Harry. Breitbeinig lümmelnd präsentiert er vom Beifahrersitz aus Sally seine Thesen zum Thema Männer und Frauen. Und heute trägt er mal wieder ganz dick auf. Zumindest theoretisch. Denn Sally ist da anderer Meinung. Für sie können Männer und Frauen sehr wohl einfach nur gute Freunde sein.

18 Stunden Autofahrt, 18 Stunden lang eine Armlänge Abstand und dazwischen zwei vermeintlich völlig verschiedene Welten. Das ist der Anfang der Geschichte von Harry und Sally, die - man ahnt es schon - doch nicht so ganz der Theorie gemäß verlaufen wird. Es waren flotte Töne, die da am Samstagabend über den Marktplatz hallten. Thematisch jedenfalls fand das Musical des Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel großen Anklang: bis auf ein paar Stühle war die Vorstellung ausverkauft.

Was dem Publikum im Rahmen des ersten Kultursommers mit Harry und Sally geboten wurde, war wunderbar. Die auf dem Originaldrehbuch des Films basierte Inszenierung von Gerhard Fehn verzauberte das Publikum mit Witz und Charme und den kleinen pikanten Frechheiten der mittlerweile Kult gewordenen Storyline. Großartig, wie Cornelia Löhr als Sally stimmgewaltig im Restaurant die Menüzusammensetzung immer wieder aufs Neue erfand. Noch großartiger, wie sie dem ungläubigen Harry zum Besten gab, was Frauen ihrer Meinung nach im Bett öfter mal schauspielerisch in Szene setzen. Ein klassischer Moment der Filmgeschichte, der da zwischen Dorstener Häuserwänden auferstand. Die Zuschauer bogen sich vor Lachen, es war einfach himmelschreiend komisch.

Schwungvoll

Auch die anderen Mitglieder des Ensembles hatten sich die stehenden Ovationen am Schluss mehr als verdient. Ihnen gelang die schwungvolle Umsetzung der Geschichte mit allen Nuancen und Nebenhandlungen. Erfrischend, wie beispielsweise die drei Santa-Klaus-Mädels im Dialog mit Harry, gespielt von Markus Kloster, die innere Zerrissenheit des geläuterten Machos ans weihnachtliche Tageslicht lockten. Urkomisch, wie die verheirateten Paare ihre Geschichten auf dem ausgesessenen Sofa zum Besten gaben. Harry und Sally waren ein Fest für Augen und Ohren und eine Strapaze für die Lachmuskeln. Beim späteren Feuerwerk staunten viele mit offenem Mund in den Nachthimmel. EK

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