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Jugendlichen auf Party in Lembeck in Schwitzkasten genommen

Freispruch

DORSTEN Freispruch für drei Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht am Mittwoch: Weil weder Opfer noch Zeugen belegen konnten, dass das Trio eine Körperverletzung begangen haben soll, verließen sie unbestraft das Amtsgericht. Das Opfer, ein 18-Jähriger aus Schermbeck, hatte vorerst das Nachsehen.

von Von Anke Klapsing-Reich

, 28.04.2010

Die Fete, die am 14. Juni 2009 in der Lembecker Scheune mit heißer Musik und kühlen Bierchen tobte, war immer mehr in Fahrt gekommen. Anlass des feucht-fröhlichen Frohsinns war der Schulabschied von der St. Ursula-Realschule, den die Jugendlichen ausgelassen feierten. Doch dann, nach Mitternacht, kippte die Stimmung: Als sich der kräftige, damals 18-jährige Schermbecker Jugendliche durch die pöbelnde Menschenmenge zur Theke drängte, um Getränke-Nachschub zu besorgen, fand er sich plötzlich im „Schwitzkasten“ wieder. Niedersausende Fäuste malträtierten seinen Kopf. Er verlor das Bewusstsein und musste zur ambulanten Behandlung ins Dorstener Krankenhaus eingeliefert werden. Diagnose: Schädel- und Rippenprellung und leichte Gehirnerschütterung. „Ihnen ist großes Unrecht geschehen“, führte Richterin Hinkers vor Augen, dass schon manches Opfer mit nur einem Schlag auf den Kopf erhebliche Behinderungen davon getragen habe und appellierte, „so einen Täter darf man nicht schützen!“

Diese Frage konnte in der Hauptverhandlung gegen das junge Männer-Trio aus Dorsten nicht geklärt werden. Die drei angeklagten Jugendlichen gehören zu dem mutmaßlichen Täterkreis, den das Opfer, unterstützt von seiner damaligen Freundin, nach der Durchsicht von 78 Fotos, die der Discjockey von den Feten-Besuchern gemacht hatte, bei der Polizeivernehmung benannt hatte. 100-prozentig sicher konnte der Schermbecker allerdings bei der Verhandlung keinen der drei Angeklagten als denjenigen identifizieren, der ihn in den Schwitzkasten genommen oder geschlagen hatte. Auch seine damalige Freundin war schon zuvor bei einer polizeilichen Nachvernehmung von ihren anfänglichen Beschuldigungen zurückgetreten. „Sie standen aber auf alle Fälle dabei“, sagten beide aus.

„Eine Cliquenhaft gibt es aber nicht“, resümierte Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Pollender und plädierte nach Abschluss der unergiebigen Beweisaufnahme auf Freispruch. Dennoch dürfen sich die wirklichen Täter nicht in Sicherheit wiegen: „Wir haben neue Ansätze gefunden“, kündigte Pollender ein Folgeverfahren gegen unbekannte Täter an und richtete sein Wort an die frisch Freigesprochenen: „Vielleicht sind Sie dann sogar alsZeugen geladen."