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Kampf ums nackte Überleben

DORSTEN John Steinbecks Theaterstück "Von Mäusen und Menschen" machte vergangenen Montag Station auf der Bühne der Aula am Nonnenkamp.

von Von Eva Kopriosek

, 29.01.2008
Kampf ums nackte Überleben

Lennie Small (Jaenicke), als er gerade den Welpen umgebracht hat!

In den Hauptrollen spielten Hannes Jaenicke und Roman Knizka. "Von Mäusen und Menschen" ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur. Die von John Steinbeck kurz nach Veröffentlichung der gleichnamigen Novelle in ein Theaterstück umgeschriebene Erzählung handelt von George und Lennie, zwei Wanderarbeitern im Kalifornien der 1930er Jahre. Mit unverklärtem Blick spiegelt Steinbecks Geschichte die sozialen Gegebenheiten der Zeit wieder.

Es ist der Kampf ums nackte Überleben, der Männer wie George und Lennie von Farm zu Farm, von Job zu Job wandern lässt. Was sie antreibt, ist der (nie erfüllte) Traum vom eigenen Stück Land, einem eigenen Zuhause.

Kraftprotz

"Von Mäusen und Menschen" ist auch eine Parabel auf das Verhältnis vom Einzelnen zur Gesellschaft und der Verantwortbarkeit individueller Handlung.

Lennie Klein ist ein Kraftprotz mit dem Gemüt eines Kindes. Er kann seine Kraft nicht einschätzen und so bricht er zunächst einem Welpen und später der Frau des Ranchersohns Curley das Genick. In einem tragischen Finale erschießt George seinen Freund Lennie, um ihn vor der Lynchjustiz der Gesellschaft zu bewahren.

Feminine Seite

Gil Mehmerts Inszenierung ist eine solide Arbeit mit dem ohne Frage großartigen Ensemble der Neuen Schaubühne München. Neben Jaenickes Lennie und Roman Knizkas George soll hier Matthias Grundigs Interpretation des Curleys erwähnt sein. Grundig bereicherte den in seiner zwanghaften Männlichkeit gefangenen Ranchersohn Curley um seine notwendige, feminine Seite.

Als John Steinbecks Buch 1937 veröffentlicht wurde, brachte es die Öffentlichkeit Amerikas wegen seiner erdigen Sprache und offenen Sozialkritik in Aufruhr. Etwas von dieser Explosivität hätte man sich auch für Gil Mehmerts gefällige Inszenierung gewünscht. Steinbecks Stoff ist auch für unsere Zeit der Job-Hopper und gescheiterten Ich-AGs hochgradig relevant.

Kummer und Schmerz

Der Titel des Stücks stammt übrigens von einem Gedicht des schottischen Dichters Robert Burns. Dort heißt es im übertragenen Sinn: Auch die besten Pläne von Mäusen und Menschen laufen oft schief. Statt des versprochenen Glücks bleiben uns nur Kummer und Schmerz.

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