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Klassisches und Modernes

Lembeck Ja, das Posaunenquartett des Gewandhausorchesters zu Leipzig war ein glänzender und begeisternder Einstieg in die Wintersaison 2007/08.

08.10.2007

So sehr man bedauert, dass die reduzierte Anzahl der Konzerte genügen muss, um so überraschter darf man den Einfallsreichtum des städtischen Kulturbüros erfahren. Der voll besetzt Schlaunsche Festsaal war der überzeugende Beweis dafür.

Wie so oft, so waren auch hier die ersten Musikstücke noch ein wenig vom Einspiel in die akustisch Verhältnisse des Raumes geprägt. Doch mit der "Aria" BWV 1068 von J.S. Bach galt es Farbe zu bekennen.

Man war überrascht über die weiche Grundstimmung, die dem Werk seine innewohnende Ruhe vermittelte. Die vier Solisten, die alle die sogenannte "Deutsche Posaune" spielten, entlockten ihren Instrumenten die wohltuend weichen Klänge.

Doch damit konnten im Gegensatz dazu, die Interpreten in der Wiedergabe von Bachs Fuge g-moll kaum überzeugen.

Das sehr zügige Tempo bewirkte eher eine Flüchtigkeit im Detail und Ungenauigkeiten im Zusammenspiel. Man vermisste doch ein wenig die Durchhörbarkeit der archaischen Strukturen.

Der Stilruck zu Anton Bruckners Chormusik war deutlich und überzeugend. Sehr schön wirkte im "Ave Maria" das fließende Zeitmaß der vier Posaunen, das der romantischen Modulatorik zu schönem Ausdruck verhalf. Ebenso feinsinnig erklang das "Ecce Sacerdos" in der Besetzung für vier Posaunen: Jörg Richter (Alt-/Tenorposaune), Dirk Lehmann (Tenorposaune), Stephan Meiner (Tenorposaune) und Stefan Schmicker (Bassposaune), das gedacht war zum feierlichen Einzug eines Bischofs in seine Kathedrale. Durch den kommentierenden Begleittext des ersten Posaunisten Jörg Richter wuchs mehr und mehr das Verständnis für die Kompositionen und ihre Interpretationsabsichten.

Harmonische Prozesse

Das galt besonders für den zweiten Teil des Konzerts, der dem klassischen Jazz und der modernen Musik gewidmet war. Man durfte staunen über die Fülle von zeitgenössischem, kompositorischem sowie interpretatorischem Ideenreichtum.

Kaleidoskopische Inszenierungnen steigerten in der "Suita per 4 Tromboni" von Kazimierz Serocki das Interesse für die "moderne Musik".

Und das setzte sich in den "Three Jazzy Pieces" intensiv und kühn in harmonischen Prozessen fort, um sich schließlich bei Irving Berlin und George Gershwin auf gesichertem musikalischem Boden begeistern zu lassen.

Ideenreichtum

Bekannte Melodien dieser Komponisten mit schier unbegrenztem interpretatorischen Ideenreichtum rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Damit wurde gleichzeitig Zugabe auf Zugabe bewirkt, die von Franz Josef Stevens, dem ehrenamtlichen Leiter, wie immer klug und charmant aufgefangen wurde.

Volker Wiltberger

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