Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kunst des respektlosen Lachens

Dorsten Respektlos, widerborstig, grausam - was so manchem Deutschen ein errötendes Schmunzeln ins Gesicht treibt, ist längst zum internationalen "Markenartikel" geworden und auch in Dorsten hat der britische Humor seine Anhänger gefunden.

26.10.2007

So entlockte Hans-Dieter Gelfert, Professor für englische Literatur und Landeskunde der FU Berlin, seinen Zuhörern am Donnerstagabend mehr als einmal ein herzhaftes Lachen, als er mit seiner "Kulturgeschichte des englischen Humors" das Aroma des einzigartigen und facettenreichen britischen Witzes auf die Bühne der VHS zauberte.

"Madam I?m Adam" - so der Titel seines Buches über die Eigenheiten britischer Lachkultur - beschreibt aber nicht einzig die humorigen Gepflogenheiten der europäischen Nachbarn. In erster Linie sind es die Unterschiede zwischen englischer Exzentrizität und deutscher "Gemütlichkeitskultur", britischer "Geschmacklosigkeit" und deutschem "Moralisieren", welche er im vergnüglichen Plauderton gegenüberzustellen wusste.

Wortspiele

Undenkbar in England ein moralisierendes politisches Kabarett a lá Düsseldorfer "Kommödchen" oder Berliner "Wühlmäuse", ebenso undenkbar für die deutsche Kulturlandschaft englischer "nonsense", "black humor" oder die unzähligen humorvollen britischen Wortspiele, die sich oftmals kaum in die deutsche Sprache übersetzen lassen. "Die Deutschen lachen mit der Ordnung und gegen den Störer, die Briten machen?s umgekehrt", brachte Gelfert die Unterschiede auf den Punkt und verfolgte die Spur der Humor-Mentalität zurück bis ins späte Mittelalter. Sei es das schlechte englische Wetter oder die Rückführung auf eine Fehlfunktion der Milz (im Englischen "Spleen") - auch außerhalb historischer Erklärungsansätze hatte Gelfert einiges an vergnüglichen Vermutungen in puncto Eigenart des englischen Humors zu berichten.

Unversehens kam jedoch die endgültige Aufklärung aus dem Publikum. "Wir hatten über viele 100 Jahre unsere Ruhe auf der Insel", so ein kundiger Engländer, der zwar seit 37 Jahren in Deutschland lebt, aber seinen britischen Humor keinesfalls eingebüßt hat, wie er mit einigen englischen Witzen bewies, die er aus dem Stehgreif auf die Bühne brachte.

Berührungspunkte zwischen britischer und deutscher Lachkultur gab es dann doch noch zu entdecken, seien es auch unterschiedliche Aspekte, welche die Lachmuskulatur zu reizen vermögen.

So hat es der "Struwwelpeter" den Briten angetan, während "Dinner for one" aus dem Silvester-Programm in deutschen Wohnzimmern kaum wegzudenken ist. Am Ende ist es ja auch gleich, warum man lacht, wichtig ist nur, dass man lacht und da ließ Gelfert an diesem Abend keinen Zweifel aufkommen: Die Kunst des herzhaften Lachens beherrschen beide Seiten. tif

Lesen Sie jetzt