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Mutige Frau enttarnt Multikulti

Dorsten "Multikulti, so wie es bisher gelebt wurde, ist organisierte Verantwortungslosigkeit" - prangert Seyran Ates falsch verstandene Pseudo-Toleranz, Desinteresse und Integrationspolitik an.

17.10.2007

Eine provokante These, wie wir sie von der Publizistin kennen. In ihrem neuen Buch begehrt sie gegen den "Multikulti-Irrtum" auf. "Ich will nicht zur schweigenden Mehrheit gehören!".

Seit Jahren reist Seyran Ates durch die Welt, argumentiert und diskutiert für mehr Chancengleichheit, Emanzipation und Partizipation der muslimischen Frauen. Immer changierend zwischen sanft sachlichem und engagiert eifrigem Habitus. Vor etwa 200 Besuchern las die bekennende Feministin, Bisexuelle, Muslimin und Juristin am Dienstagabend aus dem "Multikulti-Irrtum" im Forum der Volkshochschule vor.

Polizeischutz

Die zwei Männer in grüner Uniform, die diskret in einer hinteren Saalecke saßen, sind die Schatten ihrer Meinungsfreiheit: Polizeischutz. Unfreiheit für eine Frau, die für die Freiheit anderer Frauen kämpft. Denn ihren ideellen Leitsatz, das Private ist politisch, bekam die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes bei einem Attentat in den 80-er Jahren hautnah zu spüren.

Nicht angekommen

Die Mehrzahl aller Türken und Kurden sei in Deutschland nicht angekommen, nicht integriert. Und: "Integration hat nichts mit der Schicht zu tun." Seyran Ates differenziert zwischen den "Urdeutschen" und den "Deutschländern" (Übersetzung der türkischen Bezeichnung für die in Deutschland lebenden Türken).

Bildung

"Wie wir in Deutschland besser zusammenleben" - so lautet der Untertitel des Buches. Der Weg dorthin führe vor allem über die Chancen der Bildung. Denn bei den "Deutschländern", die oft mehrsprachig aufgewachsen sind, liege ein unglaubliches Potential brach. Ein türkisches Sprichwort laute übersetzt: "Eine Sprache. Ein Leben." Integration dürfe nicht mit Assimilation verwechselt werden. Das Ziel sei eine transkulturelle Identität, also verschiedene Kulturen authentisch zu leben. Doch dafür müsse man eine gesamtgesellschaftliche Debatte über gemeinsame Werte führen. Letztlich fände Integration im Alltag und nicht auf dem Papier statt. AR

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