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Panikmache fehl am Platze

Dorsten Die Meldung, die vor einigen Tagen über den dpa-Ticker ging und von vielen Medien aufgegriffen wurde, dürfte zahlreiche Eltern in Angst und Schrecken versetzt haben.

03.10.2007

"Knapp 60 Prozent der Schüler in Deutschland haben bereits mit 14 Jahren Erfahrungen mit Cannabis-Produkten gemacht", hieß es da. Und weiter: "Zudem sei die Zahl der 14- bis 19-jährigen Konsumenten deutlich gestiegen."

Keine guten Nachrichten, die da bundesweit die Runde machten. Aber wie sieht es eigentlich in Dorsten aus? Haben die Eltern tatsächlich allen Grund zur Sorge?

Thomas Wiezorrek von der Drogenberatung Westvest rät zu Gelassenheit. "Diese 60 Prozent, das ist eine Horrormeldung. Es gibt schließlich ganz verschiedene Zahlen zu dem Thema. Erst vor zwei Monaten hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine offizielle neue Studie veröffentlicht. Und da sieht die Sache schon anders aus." Tatsächlich: Anders als die von der dpa zitierte Studie der Katholischen Fachhochschule NRW kommt die BZgA zum Ergebnis: Nur 15 Prozent der zwölf- bis 19-Jährigen haben schon mindestens einmal Cannabis konsumiert.

Die stark abweichenden Zahlen der beiden Studien lassen sich auf die unterschiedlichen Untersuchungsmethoden, Messinstrumente und Stichprobenzahlen zurückführen.

Junge Leute selten

So oder so, Wiezorrek ist skeptisch: "Ob man mit Hilfe dieser Studien Aussagen über Dorsten machen kann, bezweifle ich." Der Sozialpädagoge, der jeden Mittwoch im Caritashaus berät, räumt allerdings ein: "Ich denke auch, dass der Probierkonsum gestiegen ist. Aber die Gruppe, die problematisch konsumiert, ist sehr klein. Und dass wir mal 13- oder 14-Jährige in der Beratung haben, ist sehr selten."

Eintrittskarte

Wiezorrek mahnt, dass sowohl innerhalb betroffener Familien als auch in der öffentlichen Diskussion nur der Cannabis-Konsum selbst im Mittelpunkt steht. "Aber die Jugendlichen haben häufig Probleme in anderen Bereichen. Cannabis ist oft nur die Eintrittskarte für das Therapiegespräch." Der Drogenberater stellt aber auch klar: "Ich will Cannabis auf keinen Fall bagatellisieren. Regelmäßiger Konsum kann zu Konzentrationsstörungen, Antriebsstörungen und dadurch z.B. zum Arbeitsplatzverlust führen."

Von daher sei Panikmache völlig fehl am Platze, bei Fragen und Sorgen sollten Jugendliche und Eltern das Gespräch mit den Beratungsstellen suchen. ah

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