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Schuss ging nach hinten los

Dorsten Es ging um "Samenraub" aus Sicht des Angeklagten. Um Vergewaltigung nach Meinung der Zeugin.

23.08.2007

Letztlich war es wohl aber doch ein einvernehmlicher Geschlechtsverkehr während der Nachtschicht im Sicherheitsdienst des Postfrachtzentrums. Gestern hatte das sexuelle Techtelmechtel der beiden ein Nachspiel vor dem Erweiterten Schöffengericht.

Schluchzend schilderte die 31-jährige Sicherheitsfachkraft die angebliche Pein, die ihr widerfahren war: "Er hat mir gegenüber immer ganz anzügliche Bemerkungen gemacht. Ich wollte mich dem entziehen, in dem ich zur Toilette ging. Dort hat er sich dann von hinten über mich hergemacht."

Stimmt nicht, konterte der 36-jährige Angeklagte. Er hatte zwar aus Angst vor einer ehelichen Beichte vor der Polizei noch angegeben, die Zeugin habe den seit Boris Beckers Wäschekammerzwischenspiel bekannten "Samenraub" begangen. Eine Version, die sein Anwalt nur peinlich finden konnte. Gleichwohl stand der 36-Jährige gestern vor Gericht seinen Mann und räumte einen "einvernehmlichen Geschlechtsverkehr" frank und frei ein. Doch die 31-Jährige ließ nicht locker, war das Ergebnis des nächtlichen Abenteuers auf der Toilette im Pförtnerhäuschen des Postfrachtzentrums doch eine Schwangerschaft. Die ließ die Sicherheitsfachkraft sechs Wochen später abbrechen und erstattete erst danach Anzeige wegen Vergewaltigung gegen den Arbeitskollegen.

Ungereimtheiten

Wegen der zahlreichen Ungereimtheiten nahm das Gericht ihr ihre Angaben nicht ab. "Unglaubwürdig" fand Richterin Regine Heinz sie und zählte etliche Widersprüche auf: "Nach dem Vorfall haben die beiden sechs Stunden weiter zusammen ihren Schichtdienst abgeleistet, bei der Ablösung war die Zeugin normal und gut gelaunt. Außerdem ließ sie sich wie immer vom Angeklagten zum Bahnhof bringen. Zusammen hatten sie in den Tagen danach weiterhin Nachtdienst. Außerdem bat sie ihren Schichtleiter ausdrücklich nach der angeblichen Tat um Versetzung nach Dorsten."

Alles zusammengenommen verhalf dem 36-Jährigen zum Freispruch erster Klasse. Regine Heinz: "Nicht nur im Zweifel für den Angeklagten, sondern weil die Geschichte so nicht gewesen ist." eng

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