Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Schwester Scholastika wird 90 Jahre alt

65-jähriges Ordensjubiläum

Ein Fest kommt selten allein, und so beschert die kommende Woche auch Sr. Scholastika Kirschner Gratulationen im Doppelpack: Steht der Dienstag ganz im Zeichen ihres 65-jährigen Ordensjubiläums, empfängt die Ursulinin tags darauf im Kloster Freunde und Gäste zu einem besonderen runden Jubiläum: ihrem 90. Geburtstag.

DORSTEN

von Von Anke Klapsing-Reich

, 04.11.2011
Schwester Scholastika wird 90 Jahre alt

Was rumpelt und pumpelt unter dem Dach des Ursulinenklosters? Es wird wohl Sr. Scholastika sein, die viel Zeit und Mühe investiert, das umfangreiche Archiv der Dorstener Ursulinen zu ordnen und zu führen.

„Mein Vater wollte nicht, dass ich am denkwürdigen 9. November, dem 3. Jahrestag des Zusammenbruchs des Kaiserreiches, geboren werde“, drängte das Mädchen ungeachtet des väterlichen Wunsches an eben diesem Tag anno 1921 in Recklinghausen auf die Welt. 25 Jahre später wollte ihr Vater auch nicht, dass seine Tochter Irmgard sich für ein Leben als Ordensfrau entschied. Viel lieber hätte der leitende Arzt am Prosper-Hospital sie an seiner Seite im Operationssaal gesehen. Aber auch da setzte sich Irmgard Kirschner durch: 1946 trat die geprüfte Krankenschwester als Schwester Scholastika in den Konvent der Ursulinen ein. Als das im Krieg stark beschädigte Kloster in Dorsten halbwegs bewohnbar war, rumpelte sie im Oktober 1947 auf abenteuerlichen Wegen mit drei Mitschwestern von der Filiale in Attendorn in die Lippestadt.

„Ärztinnen waren im Konvent weniger gefragt, da habe ich mich zur Realschullehrerin ausbilden lassen“, legte sie 1951 das Examen in den Fächern Biologie, Physik und Chemie ab, um fortan die Ursulinen-Realschülerinnen zu unterrichten. Als der gesamte Realschul-Bereich wegen räumlicher Enge im historischen „Stammhaus“ 1971 in den Neubau am Nonnenkamp umzog, steuerte Sr. Scholastika schon seit fast zehn Jahren als Schulleiterin das Realschul-Schiff durch pädagogische Gewässer. „Ich bin gerne im Schuldienst gewesen“, resümiert die Ordensfrau, die 1984 nach 22 Jahren Schulleitung mit der Ernennung zum „Ehrenkapitän“ verabschiedet wurde. Auch die Schülerinnen wussten „Scholli“, wie sie ihre Direktorin inoffiziell anerkennend nannten, zu schätzen. Vielen ist sie radfahrend in Erinnerung geblieben, denn den Weg vom Kloster zur Realschule und zurück bewältigte sie stets auf dem Drahtesel: „Damit war ich schneller als Sr. Michaele mit dem Kombi“, lacht sie heute.

Der Abschied vom Schuldienst führte Sr. Scholastika nicht in den wohlverdienten Ruhestand, sondern direkt ins Amt der Konvent-Oberin, das sie zwölf Jahre später in andere Hände gab. Gleichzeitig war sie auch einige Jahre als Präsidentin der gesamtdeutschen Ursulinen-Föderation tätig. Auch heute, im gesegneten Alter von 90 Jahren, hat die rührige Ordensfrau keine Zeit zum Däumchendrehen. Tagtäglich sitzt sie in ihrem Arbeitszimmer, um die Aufgaben ihrer vielen „Pöstchen„ zu erledigen: Dienstplan fürs Speisezimmer erstellen, Belegung der Gästeetage, Buchung der Realschulaula, das Verschicken der Broschüre „Ursulinen-Nachrichten“ – und vor allen Dingen die Führung des Konventarchivs gehören zu ihrem Aufgabenkanon. Da bleibt für Hobbys wenig Zeit: „Ich lese sehr gerne, aber da komme ich kaum zu“, packt sie immer das an, was als nächstes vor ihr liegt. Was wünscht sie sich zum Geburtstag? „Nichts“, antwortet die Ursulinin ganz nach ihrer Lebensdevise im Alter: „Meinen krummen Rücken kann ich ja nicht sehen. Und solange mein Verstand klar bleibt, bin ich dem Herrgott täglich dankbar.“

Am 9. November, ab 10.30 Uhr, findet im Ursulinenkloster ein Empfang anlässlich des 90. Geburtstags von Sr. Scholastika statt. 

Lesen Sie jetzt