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Sprudelnde Quellen entdeckt

Gedenkstein für August Schulte-Herbrüggen

GAHLEN Die artesischen Quellen in der Gahlen-Dorstener Lippeaue sind aufs engste mit dem gebürtigen Essener August Schulte-Herbrüggen verbunden. 100 Jahre nach dessen Erschließung der unter Druck stehenden Wasservorkommen erinnern drei Enkel des Selfmade-Unternehmers August Schulte-Herbrüggen an ihren für die Region bedeutenden Großvater.

von Von Helmut Scheffler

, 22.04.2010
Sprudelnde Quellen entdeckt

Ein Mann, ein Stein: Walter Schulte freut sich, dass seinem Großvater mütterlicherseits, August Schulte-Herbrüggen, ein Gedenkstein im Aap gewidmet wird.

Unterstützt werden sie bei diesem Anliegen von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft mbH (RWW) und vom Gahlener Heimatverein. Am heutigen Freitag um 12 Uhr wird die auf einem Stein befestigte Gedenktafel von der RWW an den Gahlener Heimatverein übergeben. Am 15. April 1873 wurde August Schulte-Herbrüggen in Essen-Schönebeck geboren. Dort wuchs er auf dem elterlichen Hof auf. Durch den Verkauf von Ländereien an den Krupp-Konzern war die Familie offensichtlich so wohlhabend geworden, dass sich August Schulte-Herbrüggen außerhalb der Landwirtschaft zwei Hobbys erlauben konnte, die ihn später mit Gahlen verbinden sollten. Sein Interesse galt der Jagd und der Geodäsie (Landvermessung).

Als Autodidakt erwarb er sich enorme Fähigkeiten. „Auf dem Hof gab es einen großen Teich“, erinnert der Holsterhausener Enkel Walter Schulte an seinen Großvater mütterlicherseits. Wahrscheinlich habe dieser Teich die Liebe des Großvaters zum Wasser gefördert. Doch der Großvater wollte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigentlich lieber Kohle fördern. Der Freiberufler hatte mitbekommen, dass die Bergbaubehörden auf Dorstener Gebiet Kohle gefunden hatten. Er ging davon aus, dass sich die Kohlenflöze nach Westen weiter fortsetzen würden und begann unter Verwendung eines großen Dreibocks Rohre mit einem Durchmesser von 240 Millimetern im Spülverfahren in den Boden vorzutreiben. Unterstützt wurde er dabei vom Bauern Spickerhoff aus dem Gahlener Aap.

Dr. Breddin von der Bergbauabteilung der Technischen Hochschule Aachen berichtete in der Zeitschrift „Glückauf“ des Jahres 1935 von acht Bohrstellen zwischen Gahlen und Schermbeck, die von dem Unternehmer Schulte-Herbrüggen planmäßig erbohrt wurden. Nach einer im Jahre 1926 im amtlichen Auftrage vorgenommenen Messung betrug die gesamte Ergiebigkeit von sieben Quellen, die von Schulte-Herbrüggen erschlossen wurden, und von zwei weiteren Quellen in Gahlen zusammen 183 Liter pro Sekunde. Dies entsprach einer Menge von 5,77 Millionen Kubikmetern im Jahre. Das Wasser wird seit Ende der 1920er-Jahre in gewaltigen Mengen von der RWW gefördert und im nahen Ruhrgebiet vermarktet. Der Versuch August Schulte-Herbrüggens, aufgrund seiner explorativen Tätigkeit vom Wasserwerk entschädigt zu werden, scheiterte in erbitterten Verhandlungen mit der RWW. Im Jahre 1938 starb August Schulte-Herbrüggen.

Die von August Schulte-Herbrüggen vor einem Jahrhundert erbohrten Gewässer entsprangen so genannten artesischen Quellen. In der Gahlener Lippeaue liegt über einer wasserführenden Schicht der Halterner Sande eine wasserstauende Tonschicht der Bottroper Mergel. Beide Ablagerungen sind Reste der Oberkreide aus dem münsterländischen Kreidebecken. Das in den Sanden unter Druck stehende Wasser suchte sich vergeblich einen Weg durch die darüber liegende Tonschicht. Als Schulte-Herbrüggen die Mergelschicht auf der Suche nach Kohle durchbohrte, fand das Wasser künstliche Austrittsstellen. Alte Fotos belegen, dass das Brunnenwasser mannshoch aus dem Boden hochtrieb. Erst als die RWW riesige Wassermengen förderte, reichte der Druck irgendwann in Gahlen nicht mehr aus. Das Aus kam für die artesischen Quellen.