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Stein liegt nicht jedem

Raesfeld "Wenn ein Mädchen in Raesfeld Schuhverkäuferin werden will und das klappt nicht, dann bricht sehr schnell eine Welt zusammen."

24.10.2007

Wolfgang Laufs, Lehrer an der Alexanderschule in Raesfeld, kennt seine Pappenheimer und -innen. Deswegen war er auch so angetan von einem Pilotprojekt, das die Hauptschule zwischen Ende August und Anfang Oktober an die Weiterbildungsakademie des Handwerks im Schloss Raesfeld führte. Mehrere Wochen lang hatten 48 Schüler der beiden 8. Klassen, darunter 16 Mädchen, die Gelegenheit, an zwei Tagen in der Woche in verschiedene Gewerke hineinzuschnuppern, sich mit Holz, Stein oder Metall auseinander zu setzen. "Der Blick über den Tellerrand hinaus hat eine Menge gebracht", so das Fazit des Klassenlehrers der 8b.

Kosten lohnen sich

Auch Schulleiter Peter Vinke zeigte sich im Bilanzgespräch auf Schloss Raesfeld angetan von der innerörtlichen Bildungs-Liaison. "Hier konnten Schüler schon lange vor der späteren Berufswahl erkennen, was ihnen liegt und was nicht." Ein Schüler etwa merkte, dass die Beschäftigung mit Stein überhaupt nichts für ihn ist - "damit hat er sich ein Maurer-Praktikum erspart." Für Bürgermeister Udo Rößing Grund genug, die gemeindlichen Kosten für das Projekt als Gewinn zu verbuchen. "Wenn wir junge Menschen mit diesem Angebot davon abhalten, eine falsche Berufsausbildung zu wählen, hat sich die Sache gelohnt."

Auf drei Jahre ist das Vorhaben unter dem Titel "Weiterbildung geht in die Schule" angelegt, gut 16 000 Euro kostet es pro Jahr, davon übernehmen Gemeinde und Akademie jeweils ein Viertel, die Hälfte schießt die EU aus dem Sozialfonds zu.

Vielfalt des Handwerks

Das Besondere an dem Projekt: Schüler werden hier als Praktikanten nicht in starre betriebliche Arbeitsabläufe bugsiert, werden nicht mit Produktions-Ausschnitten konfrontiert, sondern können die ganze Vielfalt eines Handwerks-Berufs kennen lernen. "Sogar die Mädchen machten begeistert mit", erzählte Elisabeth Wobbe, Klassenlehrerin der 8b.

Zudem erkannten die Schüler, dass Handwerk mehr ist, als nur das ganze Leben lang den gelernten Job auszuüben. "Hier an der Akademie sind viele, die sich auf dem zweiten Bildungsweg befinden und den Jugendlichen zeigen konnten, dass es viele Weiterbildungsmöglichkeiten auch für Hauptschüler gibt", so Akademie-Leiter Werner Storz.

Erkennen mussten die Hauptschüler aber auch, dass ein Fach ganz wichtig ist, wenn man im Handwerk einen guten Job machen will: "Die wissen jetzt genau, weshalb man Mathe braucht", so Torben Hartleff, Ausbildungsleiter in der Zimmerei. Darüber hätte den Schülern am Dienstag aber auch Andreas Grotendorst eine Menge erzählen können. Er ist jedenfalls ein gutes Beispiel dafür, dass Alexander-Hauptschüler nicht nur gute Handwerker, sondern auch Erste Beigeordnete von Raesfeld werden können. MK

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