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Viele offene Stellen sind noch zu besetzen

Ausbildungs- und Arbeitsmarkt im Aufwind

„Rekordzahlen“ bei offenen Stellen kann Barbara Ossyra von der Arbeitsagentur vermelden. Auch im Ausbildungsmarkt steigen die Chancen für Bewerber. Einige Jugendliche verfolgen allerdings eine riskante Strategie.

29.03.2018
Viele offene Stellen sind noch zu besetzen

Michelle Bernhardt (l., 18) macht eine Ausbildung zur Hotelfachangestellten im Landhotel Voshövel. Ihre Chefin Katharina Klump (r.) sagt: „Sie hat das Gastgeber-Gen.“ Barbara Ossyra (M.), Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wesel, kann derzeit 1463 unbesetzte Ausbildungsstellen anbieten: „Quer durch alle Branchen.“ © Foto: Berthold Fehmer

Die Frühjahrsbelebung sei pünktlich eingetreten, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wesel. „Das hat uns nicht überrascht.“ Die Belebung sei aber sogar stärker ausgefallen als im vergangenen Jahr. Kreisweit waren im März 15.700 Menschen arbeitslos. 1,6 Prozent weniger als im Februar. 4700 offene Stellen stehen zur Verfügung. In Schermbeck waren 251 Menschen arbeitslos gemeldet, im März 2017 waren es noch 272 gewesen.

„Halbzeitpause“

Im Berufsberatungsjahr, das von Oktober bis September geht, sei derzeit „Halbzeitpause“, sagt Ossyra. Bislang stehen 4600 Bewerbern etwas mehr als 3470 Ausbildungsstellen gegenüber. Pro Bewerber also 0,78 Stellen. „Wir nähern uns der Situation, dass wir mal mehr Ausbildungsstellen haben als Bewerber“, sagt Ossyra. „Die Nachfrage nach Auszubildenden wächst.“ Seit Jahren habe man rückläufige Schulentlassungszahlen. Und: „Die Studierneigung ist hoch.“ Ossyra sagt aber auch: „Es können nicht alle, die aufs Gymnasium gehen, studieren. Das braucht der Markt nicht.“

Der Ausbildungsmarkt sei jetzt aber auch noch in Bewegung. Manche Jugendliche vertagten die Berufswahl, bis die Prüfungen geschafft seien. „Das ist eine riskante Strategie“, sagt Ossyra.

Schwer zu besetzen seien derzeit Ausbildungsstellen für den Verkauf von Lebensmitteln, Steuerberatung, Gastronomie und Hotelerie. Hoch begehrt Stellen im Bereich Mechatronik, Maschinenbau und Software-Entwicklung.

Um fürs Landhotel Voshövel genug Auszubildende zu finden, präsentiert Junior-Chefin Katharina Klump ihr Unternehmen regelmäßig bei Ausbildungsbörsen an Schulen. Oft werde in der Branche über Arbeitszeiten und Druck geredet: „Man vergisst, darüber zu reden, wie toll das auch alles sein kann.“ Ihr Tipp an Auszubildende: „Schaut euch den Betrieb vorher an!“ Wer Koch werden wolle, solle nicht in einer Küche anfangen, in der Soßen aus Tüten angerührt werden.

„Sie hat das Gastgeber-Gen“

Michelle Bernhardt (18) aus Coesfeld machte ihr Schulpraktikum in einem Hotel: „Das war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.“ Als sie sich im Landhotel Voshövel vorstellte, merkte Katharina Klump gleich: „Sie hat das Gastgeber-Gen – Lust auf Menschen. Das sprang mir schon entgegen, als sie zur Tür reinkam.“ Trotzdem versuchte sie, Michelle, die damals 16 Jahre alt war, zweimal zu überreden, erst ihr
Abitur zu machen: „Vergeblich.“ Michelle: „Ich wollte nicht mehr in der Schule sein, sondern mit anpacken können.“

Problematisch für junge Auszubildende am Landhotel sei oft, dass dort keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren, sagt Katharina Klump. Auf der Suche nach Azubis wird die Hotel-Chefin kreativ, hat 2017 etwa eine Bachelor-Studentin eingestellt, obwohl sie „absolut kein Fan“ von gleichzeitigem Studium und Ausbildung sei. Jetzt sagt Klump über die Auszubildende: „Sie macht es gut.“ Auch Geflüchtete hat Klump eingestellt und ist begeistert von deren hoher Motivation. „Sie wissen, wie wichtig das für sie ist.“

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