Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Wie ein Barkenberger zu den Sternen greift

Hobby-Astronom Gerd Wüst

Es sind die kalten Winternächte oder die klaren Morgenstunden, die Gerd Wüst nach draußen auf seine Terrasse in Wulfen-Barkenberg ziehen. Die Astronomie ist sein Hobby. Regelmäßig greift er zu den Sternen. Und die schönsten Momente hält er fest.

Wulfen-Barkenberg

, 09.03.2018
Wie ein Barkenberger zu den Sternen greift

Der Himmel über Dorsten und Wulfen-Barkenberg ist das liebste Fotomotiv von Gerd Wüst. Foto: Gerd Wüst

Es ist eine kalte Nacht in Wulfen-Barkenberg – minus sieben Grad. Im Wohnzimmer der Familie Wüst ist der Kamin an, hier ist es muckelig warm. Gerd Wüst zieht es trotz der eisigen Temperaturen nach draußen auf die Terrasse. „Du bist verrückt“, ist der Kommentar seiner Frau, die gemütlich auf der Couch liegt. Gerd Wüst lacht nur – und geht trotzdem raus. Er kann nicht anders. Die Sterne sind sein Hobby, seine Leidenschaft.

Wie ein Barkenberger zu den Sternen greift

Gerd Wüst schaut von seiner Terrasse in Wulfen-Barkenberg aus in die Sterne. © Marie Rademacher

Rund eine Stunde hat er schon damit zugebracht, das große Teleskop aufzubauen, mit dem er die Fotos vom Himmel über Barkenberg macht. Es ist auf einen Punkt am Himmel ausgerichtet, der mit dem bloßen Auge aussieht wie ein schwacher Nebel. Eigentlich ziemlich langweilig.

Bis zu 400-mal so groß

Aber: „Ich mach jetzt das, was Männer eigentlich immer für Frauen tun sollten: Ich hole Ihnen mal die Sterne vom Himmel“, sagt er augenzwinkernd und deutet auf die Linse des imposanten Geräts. „Schauen Sie mal da rein.“ Tatsächlich: In der Vergrößerung wird der Nebel zu einem Sternenhaufen. „Das funkelt, ne?“, sagt Gerd Wüst begeistert.

40-fach hat sein Teleskop den Blick vergrößert. „Das Ding kann bis zu 400-fach“, sagt Gerd Wüst.

Apropos: Was ist das Ding eigentlich genau für eins? „Das ist ein Spiegel-Teleskop auf einer sogenannten parallaktischen Montierung“, erklärt der Hobby-Astronom. In der Geschwindigkeit der Erde kann es sozusagen mit den Sternen mitlaufen und so präzise Langzeitbelichtungen machen.

100 Aufnahmen übereinander

Eine Spiegelreflexkamera lässt sich per Adapter anschließen. „Ich mache Probeaufnahmen, bis ich zufrieden bin. Und dann lasse ich das Teleskop mitfahren, arretiere und lasse 100 Aufnahmen machen“, erzählt er. „In der Zeit gehe ich rein und wärme mich erst mal auf“, sagt er lachend und reibt sich die Hände.

Wie ein Barkenberger zu den Sternen greift

So nah rangeholt, funkeln die Sterne richtig. Foto: Gerd Wüst

Dort, am Computer, geht die Arbeit dann natürlich noch weiter. Die vielen Aufnahmen – jeweils mit einer eigenen Belichtung – kann Gerd Wüst mit einem bestimmten Programm übereinanderlegen. So werden sie noch präziser. „Stacking nennt man das“, erzählt Gerd Wüst.

Viele Fachbegriffe

Überhaupt kennt er sich gut aus in diesem ganzen komplizierten Metier, nutzt Fachbegriffe, klingt gar nicht wie ein Amateur, der er als Hobby-Astronom aber natürlich ist.

Wie kam es zu der Liebe zu den Sternen? „Astronomie – das interessiert mich seit Kindesbeinen. Seit meine Mutter mir mal Sternenbilder gezeigt hat, den Großen Wagen gezeigt hat und die ein oder andere Geschichte dazu erzählt hat, fasziniert mich das“, erzählt Gerd Wüst.

Wie ein Barkenberger zu den Sternen greift

Der Mond kommt Gerd Wüst auch oft vor die Linse. Foto: Gerd Wüst

Mit zehn oder zwölf hat er sich sein erstes Linsenteleskop geholt. „Das Stativ davon steht jetzt bei uns im Garten als Rankhilfe“, erzählt er lachend. Seit 2008 hat er seinen Traum verwirklicht und hält das Beobachtete auch mit der Kamera fest.

Eigentlich gelernter Bergmann

Beruflich hat er eigentlich gar nichts mit Astronomie zu tun. Er ist gelernter Bergmann, hat später eine Umschulung zum Elektroniker gemacht und arbeitet jetzt bei der Firma Ventech, die Reifenprüfsysteme macht.

Wie ein Barkenberger zu den Sternen greift

Die Langzeitbelichtungen sehen besonders ästhetisch aus. Foto: Gerd Wüst

Neben der Gitarre und der Musik ist die Astronomie sein Ausgleich zu dem Job.

Übrigens nicht nur in kalten Winternächten: „Jede Jahreszeit hat seinen eigenen Reiz. Im Sommer muss man zum Beispiel ganz spät raus. Vor 23 Uhr lohnt es sich nicht. Aber Sonntagsabends, wenn wirklich alles ruhig ist, sich alle schon auf die Arbeit vorbereiten, dann gehe ich gerne raus und kann hier sehr viel beobachten. Das ist schon toll. Man verpasst was, wenn man schläft.“

Lesen Sie jetzt