Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

17-Jähriger erlitt jahrelanges Martyrium

DORTMUND Ein 17 Jahre alter Jugendlicher aus Dortmund ist sieben Jahre lang von einer Bande bedroht und erpresst worden. Auf "perfide Art und Weise", wie die Polizei sagt.

11.12.2007

Er war das perfekte Opfer - ein Zehnjähriger, der sich nicht wehrte,  den drei bis vier Mitschüler unter Druck setzen konnten. Sie mussten ihm nur drohen, schon gab er sein Taschengeld ab oder besorgte ihnen Zigaretten. Später musste er im Auftrag seiner Peiniger Geld stehlen. Sieben Jahre hielt er still, wurde bedroht und gedemütigt. Jetzt, mit 17, offenbarte er sich der Polizei. Die nahm das Erpresser-Quartett fest, musste es aber aufgrund der Rechtslage wieder laufen lassen.

Sieben Jahre lang lebte ein heute 17-jähriger Dortmunder unter dem Druck, von einer ihm körperlich überlegenen Gruppe bedroht und erpresst worden zu sein. Die Polizei nahm am 10.12.2007 vier Tatverdächtige fest. Ins Rollen brachte der 17-Jährige das Ganze über eine Anzeige bei der Polizei, die er erst auf intensives Drängen eines nahen Verwandten erstattete. Dabei schilderte der sichtlich unter dem Eindruck des Geschehens stehende Jugendliche seine Erlebnisse:

Bereits mit 10 Jahren, gerade auf der weiterführenden Schule angelangt, wurde er von einer Gruppe von drei bis vier, damals noch, Kindern genötigt, sein Taschengeld abzugeben. Diese Gruppe hatte ihn schnell als perfektes Opfer ausgemacht. Die reine Androhung von Schlägen, bzw. psychischer Druck, reichte für die Tatverdächtigen aus, an Bargeld oder andere begehrte Dinge zu gelangen. Soweit bislang bekannt, hat es niemals vollendete Körperverletzungen gegeben.

Täter wurden immer dreister

Anfänglich ging es um kleinere Bargeldsummen oder Zigaretten. Mit zunehmendem Alter wurden die Täter aber auch immer dreister. In einem Fall wurde der heute 17-Jährige genötigt, von den Erziehungsberechtigten 1000 DM zu stehlen und diese der Gruppe zu übergeben, was er dann auch auf Grund des enormen Drucks tat. Ein weiteres Mal sollte der Geschädigte 50 EURO besorgen, als Pfand nahmen ihm die Täter sein Handy weg. Als das Opfer ihnen die 50 Euro gab, bekam es auch sein Handy zurück. Was der Jugendliche zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wusste: In wenigen Tagen hatte die Gruppe eine Handy-Rechnung von rund 1000 Euro zusammen telefoniert. Derartige Schulden begleiten den mittlerweile in einem Lehrverhältnis angestellten Jugendlichen bis heute.

Im Laufe der langen Zeit machten sich die Täter einen Spaß daraus, ihr Opfer auszunehmen, wo auch immer die Möglichkeit bestand. So hatten drei Beteiligte aus dieser Gruppe eines Tages einen “Neuling“ dabei, vermutlich um sich vor ihm damit zu brüsten. Man nahm dem 17-Jährigen die EC-Karte weg und hob in seinem Beisein 310 Euro om Girokonto ab. Das Geld wurde dann wie folgt aufgeteilt: 100 Euro jeweils für die “alten Hasen“ und 10 Euro für den “Neuling“. Nach polizeilicher Schätzung dürften in den sieben Jahren somit rund 4000 Euro Schaden für das Opfer entstanden sein.

Geständnis ohne Reue

Als sich der Dortmunder letztendlich der Polizei offenbarte, konnten es die Ermittler selber kaum glauben. Bei einer erneuten vereinbarten Geldübergabe zwischen dem Geschädigten und der Tätergruppe schlugen die Beamten zu. Im Bereich der nördlichen Innenstadt nahm die Polizei am Montag (10.12.) vier Dortmunder Jugendliche von 17 und 18 Jahren fest. Die zwar polizeilich bekannten, nicht aber vorbestraften Jugendlichen wurden ins Polizeigewahrsam eingeliefert. Zwei von ihnen gaben den oben geschilderten Sachverhalt unumwunden und ohne Reue zu.

Das Motiv war schnell klar: Der heute 17-Jährige war für sie das typische Opfer, welches sich nicht wehrt und auch durch ständige Bedrohungen lange niemanden etwas von seiner Notlage erzählte. So war der Junge gerade gut genug, den Tatverdächtigen den Lebensstandard aufzubessern. Zu der Frage, wie man in so kurzer Zeit 1000 Euro (wie oben geschildert) vertelefonieren kann, hatten sie eine schnelle Antwort: Die Verdächtigen haben in dieser Zeit auch intensiv bei Quiz-Sendungen im Fernsehen angerufen und so ein kleines Vermögen ausgegeben.

Da keinerlei Haftgründe begründet werden konnten, mussten die vier Jugendlichen/jungen Erwachsenen polizeilich wieder entlassen werden. Dieses erfolgte aber nur unter der eindringlichen Ermahnung, jeglichen Kontakt zum Opfer zukünftig zu unterlassen.

Lesen Sie jetzt