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60 Minuten-Stunden weiter auf dem Vormarsch

Neues Schulmodell

DORTMUND Jahrzehntelang war es wie in Stein gemeißelt: Eine Schulstunde dauert 45 Minuten. Doch so langsam beginnt eine neue Zeitrechnung – immer mehr weiterführende Schulen führen die 60 Minuten-Stunde ein.

von Von Katharina Pfeifle

, 28.04.2010
60 Minuten-Stunden weiter auf dem Vormarsch

Die Schulstunden werden auf 60 Minuten geändert.

Als erste Gesamtschule Dortmunds stellt nun die Europaschule zum kommenden Schuljahr ihre Stundenpläne auf den 60-Minuten-Takt um. „Der Trend geht zum 60-Minuten-Modell“, stellt Schulleiter Jörg Girrulat fest und ergänzt: „Wer hat überhaupt jemals festgelegt, dass eine Unterrichtsstunde über 45 Minuten gehen muss? Pädagogisch fällt mir keine vernünftige Begründung dafür ein.“

Unter anderem werden auch das Leibniz- und das Bert-Brecht-Gymnasium zum kommenden Schuljahr die 60-Minuten-Stunde einführen; bei anderen Dortmunder Schulen ist das Modell im Gespräch. Schulen wie die Marie-Reinders-Realschule und das Heisenberg-Gymnasium haben ihren Unterricht bereits auf die 60-Minuten-Taktung umgestellt.

Konkrete Zahlen, wie viele Einrichtungen sich bereits für die 60-Minuten-Stunde entschieden haben, sind schwierig zu bekommen: Die Umstellung muss weder beim Schulamt noch bei der Bezirksregierung gemeldet werden. Die Vorteile des 60-Minuten-Modells liegen für Jörg Girrulat auf der Hand: „Der Tagesablauf wird entschleunigt, Schüler wie Lehrer müssen sich auf weniger Stunden vorbereiten, die Schultaschen sind nicht so voll gepackt, und die Raumwechsel werden weniger.“ Bei einer 45-minütigen Unterrichtsstunde blieben nach dem bürokratischen Anteil wie Anwesenheitslisten führen, Zettel austeilen oder Hausaufgaben kontrollieren häufig nur noch 30 oder 35 Minuten für den regulären Unterricht. „Da bleibt kaum Zeit für die individuelle Betreuung der Schüler, geschweige denn, um in den Naturwissenschaften vernünftig Experimente durchzuführen.“

Die neue Zeitrechnung sei auch eine Konsequenz des Abiturs nach zwölf Jahren, erklärt Wolfgang Hardering, Schulleiter des Bert-Brecht-Gymnasiums. „G8 bedeutet für manche Schüler einen voll gestopften Tag mit acht verschiedenen Fächern. Selbst für Erwachsene wäre das eine Überforderung.“ Die längere Unterrichtsstunde ermögliche auch eine modernere Art der Lehre – weg vom Frontalunterricht, hin zu schülerorientierten Methoden, die bislang aus Zeitmangel zu kurz kämen. „Für unsere Lehrer haben wir extra Fortbildungen organisiert, um ihnen Ideen und Anregungen zu geben“, so Hardering.