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Alle heißen Hans

Schönau Von der Emil-Figge-Straße führt ein kleiner Weg hinunter zur Kleingartenanlage Schnettkerbrücke. Eine grüne Oase nahe der B1.

04.10.2007

Alle heißen Hans

<p>Einige Pokale, die Hilde Wenning in den Jahren mit ihren Tauben gewonnen hat. Im Hintergrund zwei der vier Schläge.</p>

Am Ende der Stichstraße ein altes Haus. Bunte Gartenzwerge stehen auf der gepflegten Rasenfläche, im Radio, das an einer Hauswand steht, läuft gerade WDR 4. Der Verkehrslärm von der viel befahrenen Bundesstraße, die sich längs durch das Ruhrgebiet zieht, hält sich hier in Grenzen. Das Gurren zahlreicher Tauben ist tonangebend.

Über 100 der gefiederten "Renner der Lüfte" haben hier ihre Heimat. Ruhrgebietsidylle pur. Eigentlich nichts Besonderes, bis das lächelnde Gesicht der Züchterin hinter einer Hausecke auftaucht. Hilde Wenning hat ein Faible für ihre gefiederten Freunde - seit mehr als 60 Jahren. Die heute 85-Jährige hat sich in einer Männerdomäne durchgesetzt. Denn im Brieftaubensport sind Frauen im allgemeinen eher selten zu finden - sind eine Rarität. "Aber ich werde durchaus akzeptiert. Natürlich gibt es schon mal das eine oder andere Späßchen", sagt Hilde Wenning und lächelt.

Jungbrunnen

Die Tauben scheinen die rüstige Dame jung zu halten. Über eine schmale Stiege, die eher die Bezeichnung Leiter verdient, geht es mehrmals am Tag in das obere Stockwerk des Hauses - zu zwei der vier Taubenschläge. "Mein Vater hatte schon Tauben und dann mein Mann", erklärt Hilde Wenning. Ihr Mann verstarb vor 25 Jahren. Seitdem ist sie für das Wohl der Tauben alleine verantwortlich. Und die sind ihr ans Herz gewachsen. "Komm, Hans komm", klingt es durch den Taubenschlag, wenn Hilde Henning das Futter verteilt - und Hans kommt, besser gesagt viele Hänse, denn "bei mir heißen die Tauben alle Hans. Irgendwas muss ich ja rufen."

Ruhr Nachrichten Pokal

Aber das Hobby bringt auch viel Arbeit mit sich - es wird langsam zu viel für die Züchterin, die ihre Tauben aber immer noch jedes Jahr bei der Reisevereinigung Aplerbeck ins Rennen schickt. Zahlreiche Urkunden und Pokale zeigen, dass Hilde Wenning ihr Handwerk versteht. Vergilbte Zeitungsabschnitte zeugen von den Erfolgen. Der große Pokal der Ruhr Nachrichten aus dem Jahr 1989 war so einer.

Aufhören wegen des hohen Alters? Für Hilde Wenning kein Thema. "Da müsste ich schon den Kopf unter dem Arm tragen", sagt sie, lächelt verschmitzt und widmet sich wieder ihren Tauben. jöb

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