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Alles kommt wieder, auch Emma!

DORTMUND Ein 400-Meter-Lauf der besonderen Art. Es sind sogar 50 Meter mehr. Claudia Hertkens, die Chefin des Standesamtes mit allen Nebenstellen, hat zwar nicht die Akten gezählt, aber den Platz, den sie verbrauchen.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 27.12.2007
Alles kommt wieder, auch Emma!

Standesamts-Chefin Claudia Hertkens und das Dokument von 1880, unterschrieben mit drei Kreuzchen.

Im Archiv des Standesamtes an der Löwenstraße ruhen sämtliche Dortmunder Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden seit 1874, dem Jahr, als das preußische Gesetz gültig wurde, das die Trennung von Staat und Kirche verfügte. Herausgefischt hat die Standesbeamtin eine Geburtsurkunde von 1880: Der Vater unterschrieb mit drei Kreuzchen.

Apropos Geburten: Fast jedes zweite Baby von den jährlich rund 4200 in Dortmund hat mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund. Umso verblüffter war Claudia Hertkens beim Blick in die Namensstatistik für 2007: Der türkische Jungen-Vorname Ali taucht nicht ein einziges Mal unter den 30 häufigsten Namen auf. Bei den Mädchen fand sich immerhin Nur (Rang 21).

Apropos Namen: Die gute alte Zeit wird wieder belebt mit Vornamen wie Mia (Rang 7), Katharina (11), Elisabeth (19), Emma (23) und Johanna (Rang 25). Ähnlich bei den Jungen: Maximilian schaffte es 2007 auf Rang 3, Paul auf 7 und Luis auf 20.

Übrigens: Dem ungebrochenen Arbeitswachstum von Dortmunds Familienrichtern beugen offenbar die Paare vor, die gar nicht erst zur Eheschließung kommen. „Einmal im Monat“, überschlägt Claudia Hertkens, „passiert es, dass  keiner der Trauwilligen zum Trautermin bei uns erscheint.“ Die Standesamts-Chefin kann sich nur wundern. Auch darüber, dass „sehr viele“ zu ihrer eigenen Eheschließung „deutlich zu spät“ kommen.

Scheidungszahlen steigen: Jede zweite Ehe krachte 2007

Dafür wundern sich Dortmunds Familienrichter über fast gar nichts mehr. Seit Jahren steigen die Scheidungszahlen. Fast jede zweite Ehe kracht. Um 27 Prozent kletterten zuletzt die Verfahren innerhalb des Familienrechts insgesamt, überschlägt Jürgen Twittmann, Sprecher des Amtsgerichts, und nennt absolute Zahlen: 2132 innerhalb der letzten vier Quartale im Vergleich zu 1673 im Vorjahreszeitraum. Sorge- und Umgangsverfahren hätten dabei, so Twittmann, deutlich zugenommen. Übersetzt für Nichtjuristen heißt das: Patchwork-Familien sind auf dem Vormarsch.

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