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Alltägliche Bedrohung

DORTMUND Was im Amt des Oberbürgermeisters ans Licht gekommen ist, die Veruntreuung von rund einer Million Euro durch eine Mitarbeiterin, ist eine alltägliche Bedrohung für alle Unternehmen - auch in Dortmund. Davon ist Oliver F. Marx überzeugt.

von Von Bettina Kiwitt

, 29.08.2007

Marx ist geschäftsführender Gesellschafter der Marx & Marx Versicherungsmakler GmbH und Vorstandsmitglied im heimischen Bund Junger Unternehmer (BJU). Wir sprachen mit ihm.

Wie hoch sind die Schäden, die durch Wirtschaftskriminalität entstehen? Marx:Nach aktuellen Schätzungen wird es in diesem Jahr rund 1,1 Millionen Fälle von Betrug, Untreue und Unterschlagung geben. Die Schadenssumme wird dabei Dimensionen von erneut fast vier Milliarden Euro erreichen. Die betroffenen Unternehmen erlitten in der Vergangenheit dabei durchschnittlich einen Schaden von fast 3,4 Mio. Euro - keine Branche bleibt von Wirtschaftskriminalität verschont.

Wird das Risiko von den Unternehmen richtig eingeschätzt? Marx:Nein. Der Schaden, der durch Wirtschaftsstraftaten entsteht, ist seit der Jahrtausendwende regelmäßig wesentlich höher als die Verluste durch Feuer, die jedoch weitaus stärker als Bedrohung in den Unternehmungen wahrgenommen werden. Lediglich 20 Prozent der Unternehmen schätzen die Risikolage realistisch ein. Die Dortmunder Unternehmen liegen nach unseren Erfahrungen hier leider voll im Trend - die Gefahren, die aus Wirtschaftskriminalität entstehen, werden weitgehend ignoriert.

Trifft Wirtschaftskriminalität eigentlich vor allem große Gesellschaften, die unübersichtlich, schwer kontrollierbar und wegen internationaler Tätigkeit hochkomplex sind? Marx:Mit dieser Einschätzungen liegen Sie völlig falsch. Studien zeigen, dass insbesondere mittelständische Unternehmen überproportional von der Kriminalität im Nadelstreifenanzug betroffen sind. Im Verhältnis zur Organisationsgröße gesehen, fallen die Konsequenzen von Wirtschaftsdelikten für kleinere und mittlere Betrieb sogar stärker ins Gewicht als bei großen.

Welche Bedingungen leisten Wirtschaftskriminalität Vorschub? Marx: Die Kriminalität entsteht im Schnittfeld von Bedarf des Täters, der Gelegenheit und der moralischen Voraussetzung bzw. kriminellen Energie des Handelnden. Die Ausgaben des Täters sind dauernd höher als die regelmäßigen Einnahmen: ein aufwändiger Lebensstil, Geltungsbedürfnis, ein plötzlich auftretender Geldmangel, Spiel- oder Genussmittelsucht.

Gibt es den typischen Wirtschaftsstraftäter? Marx:Durchaus. Er ist männlich und sozial unauffällig, zwischen 31 und 50 Jahre alt. Er ist in der Regel nicht vorbestraft und bereits länger im Unternehmen tätig - somit schwer zu identifizieren.

Man kann einen Betrüger also nicht schnell erkennen? Marx:Viele erfahrene Manager vertrauen bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter auf die eigene Menschenkenntnis - und liegen damit regelmäßig falsch. Betrüger sind überzeugende Verkäufer und argumentieren stichhaltig und souverän.

Gibt es Unternehmen, die besonders anfällig für Wirtschaftskriminalität sind? Marx:Ja, es sind die, die sich in einer Wachstumsphase befanden.

Wie lässt sich das Risiko eingrenzen? Marx:Durch ein aktiv gelebtes internes Kontrollsystem. Kontrollmechanismen sind unentbehrlich, um dem eventuell existenzbedrohenden Vermögensverlust durch Mitarbeiterkriminalität abzuwenden. Darüber hinaus ist es aber auch von Bedeutung, dass Unternehmen sich gegen die immanenten Risiken versichern.

Welche Versicherung greift da? Marx : Einen effektiven Schutz vor Veruntreuung bietet den Unternehmen eine Vertrauensschadenversicherung. Sie deckt in der Regel unmittelbare Vermögensschäden, die durch Untreue, Diebstahl, Unterschlagung, Betrug oder Computermissbrauch entstehen.

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