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An Alg I-Bezug scheiden sich die Geister

15 159 Menschen über 45 Jahre. Das ist die Zahl derjenigen, die in Dortmund von der aktuellen Diskussion um die Verlängerung des Arbeitslosengeld I-Bezugs betroffen sind.

09.10.2007

Auch hier vor Ort gehen die Meinungen so weit auseinander wie auf Bundesebene. "Eine Verlängerung des Arbeitslosengeldbezuges für Ältere ist und bleibt sozialpolitischer Unfug" meint Dr. Heinz-S. Thieler Eberhard Weber (1. Foto), Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände für Dortmund und Umgebung sowie im Wechsel mit DGB-Chef (2. Foto) alternierender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit. Wie lange Arbeitslosengeld gezahlt werde, dürfe nicht von der Konjunktur abhängen. Die kürzere Zahlung des Arbeitslosengeldes habe nachweislich zum Abbau der Arbeitslosigkeit beigetragen. Denn sie setze Anreize, sich schnell und zielgerichtet um Beschäftigung zu bemühen und Kompromisse einzugehen. "Eine längere Bezugsdauer verführt demgegenüber dazu, abzuwarten, Angebote abzulehnen", meint Thieler.

Dass DGB-Chef Eberhard Weber völlig anderer Meinung ist, erstaunt kaum. "Kurt Beck (SPD-Parteivorsitzende, Anm.d.Red.) greift auf einen Kompromissvorschlag des DGB zurück", so Weber. Für ihn ist klar, dass deutliche Kurskorrekturen bei Hartz IV überfällig sind. Dass die Arbeitsmarktreform mit dem Aufschwung zu tun habe, sei "Propaganda".

Pfarrer Peter Struwe (3. Foto), auch Vorsitzender des Arbeitslosenzentrums (ALZ), sieht tagtäglich in seiner evangelischen Gemeinde in Kirchderne, "wie sich die arbeitslosen Menschen redlich bemühen, einen Job zu bekommen". Es sei eine Unterstellung, dass die Menschen nicht arbeiten wollten und man sie nur mit einer kürzeren Dauer des Alg-I-Bezugs dazu bringen könne, sich möglichst schnell um eine Arbeitsstelle zu kümmern. Es werde als Erfolg gefeiert, dass die Zahl der Arbeitslosen gesunken sei aufgrund des verstärkten Drucks, der auf sie ausgeübt werde. Dabei sei die Industrie lediglich eher bereit, einzustellen, wenn es zu ihren Bedingungen geschehe, sprich etwa sehr niedrige Löhne, von denen viele Menschen nicht mehr leben könnten.

Befürworter für seine Forderung nach Nachbesserung der Agenda 2010 findet SPD-Chef Kurt Beck in den neun Dortmunder Genossen, die Ende Oktober zum Parteitag nach Hamburg fahren. "Wir werden einheitlich abstimmen", versicherte der Dortmunder SPD-Vorsitzende Franz-Josef Drabig (4. Foto). Wer lebenslang in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt habe, müsse auch mehr rausbekommen als jemand, der seine Beiträge erst wenige Jahre leiste, so Drabig. Die sprudelnden Steuern gäben das auch her. kiwi/ko

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